Kobalt-Krise: Kongos Exportkontrollen treffen China empfindlich
Die Demokratische Republik Kongo drosselt Kobalt-Exporte – und legt damit Chinas strukturelle Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen schonungslos offen.

China dominiert die globale Kobalt-Raffinerie mit einem Anteil von 78 Prozent der weltweiten Produktion von raffiniertem Batteriemetall – so die aktuellen Zahlen der Internationalen Energieagentur für 2024. Doch diese Marktmacht hat eine gefährliche Kehrseite: Das Land verfügt kaum über eigene Bergbaukapazitäten und ist damit in hohem Maße auf Rohstoffimporte angewiesen. Die Exportkontrollen der Demokratischen Republik Kongo haben diese Schwachstelle nun schmerzhaft sichtbar gemacht.
Der Kongo ist die wichtigste Quelle für Kobalt-Zwischenprodukte für chinesische Verarbeiter. Bereits im Februar 2025 setzte das afrikanische Land die Kobaltexporte aus und führte im Oktober ein Quotensystem ein. Die Folge: Die Lieferungen nach China kamen im vierten Quartal 2025 nahezu vollständig zum Erliegen. Laut dem Beratungsunternehmen Benchmark Mineral Intelligence (BMI) verließ der erste Lastwagen mit Kobalt das Land erst im Januar 2026.
Preisexplosion an den Kobaltmärkten
Der Preisanstieg ist dramatisch. Das an der CME gehandelte raffinierte Kobalt verteuerte sich von rund 10 US-Dollar je Pfund Anfang 2025 auf mittlerweile 25 US-Dollar – ein Anstieg von 150 Prozent. Noch gravierender ist die Entwicklung bei Zwischenprodukten wie kongolesischem Kobalthydroxid: Der sogenannte Payable-Faktor, also der Anteil des Metallpreises, den Käufer für das Zwischenprodukt zahlen, lag im Februar noch bei etwa 55 Prozent – und notiert inzwischen regelmäßig bei beispiellosen 100 Prozent.
Der Engpass bei Zwischenprodukten zwingt chinesische Käufer, auf Kobaltmetallbestände der Wuxi Stainless Steel Exchange auszuweichen, dem wichtigsten Kobalt-Handelsplatz in China. Allein Ende Januar wurden mehr als 3.250 Tonnen Kobaltmetall aus den Wuxi-Lagern entnommen – das entspricht 37 Prozent der gesamten Börsenbestände. Ein deutliches Zeichen für die Dringlichkeit der Versorgungslage.
Der Kongo legte die Exportquoten für das vierte Quartal 2025 auf 18.125 Tonnen und für das Gesamtjahr 2026 auf 96.600 Tonnen fest, einschließlich einer strategischen Reserve von zehn Prozent. Da Exportlieferungen in der Regel drei Monate benötigen, um China zu erreichen, droht dem Land eine Phase akuter Versorgungsengpässe. Alternativen sind rar: Indonesien, wo Kobalt als Nebenprodukt des Nickelabbaus gewonnen wird, kann die entstehende Lücke laut BMI nicht schließen.
USA drängen in Kongos Rohstoffsektor vor
Die geopolitische Dimension verschärft die Lage für China zusätzlich. Die USA haben aktiv dazu beigetragen, ein Friedensabkommen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda zu vermitteln – und damit das Land für US-Investitionen geöffnet. Die U.S. International Development Finance Corporation kündigte im Dezember an, sich an einem Joint Venture zu beteiligen, das den staatlichen Anteil an Kupfer und Kobalt vermarkten soll. US-Käufer erhalten dabei ein Vorkaufsrecht.
Zentrales Element der US-Strategie in Zentralafrika ist zudem eine neue Eisenbahnverbindung zwischen dem Kongo und dem angolanischen Hafen Lobito. Dieser Korridor konkurriert direkt mit der von China unterstützten Bahnlinie nach Daressalam in Tansania. Chinesische Kobaltkäufer sehen sich damit nicht nur mit schrumpfenden Importmengen konfrontiert, sondern auch mit wachsendem Wettbewerb um das, was noch exportiert wird.
Das Kobalt-Problem ist exemplarisch für eine breitere Schwachstelle Chinas bei kritischen Mineralien. Ähnliches gilt für Seltene Erden: Obwohl China der weltgrößte Produzent ist, importiert es schwere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium als Rohstoffe aus dem benachbarten Myanmar. Mit steigendem Eigenbedarf dürfte diese Abhängigkeit von Drittländern weiter zunehmen – und zunehmend zum strategischen Risiko werden.
