Jemens Huthi-Miliz blockiert Ölroute und lässt Rohölpreise steigen
Die Huthi-Miliz hat die Bab-al-Mandeb-Straße unter ihre Kontrolle gebracht und eine saudische Pipeline lahmgelegt – ein Doppelschlag, der die Ölpreise nach oben treibt und die Verwundbarkeit globaler Versorgungsrouten offenlegt.

Die Spannungen entlang der strategischen Bab-al-Mandeb-Straße haben eine neue Eskalationsstufe erreicht: Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz aus dem Jemen hat am Freitag zusätzliche Abschnitte dieser für den globalen Öltransport essenziellen Wasserstraße unter ihre Kontrolle gebracht. Damit beherrscht die Gruppierung faktisch die gesamte Meerenge, die eine Schlüsselrolle beim Transport von Rohöl einnimmt. Parallel dazu wurde eine für die Versorgung wichtige Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien attackiert und außer Betrieb genommen.
Die gleichzeitigen Ereignisse haben erhebliche Konsequenzen für die internationalen Ölmärkte. Bislang galt die Pipeline als zentrale Alternative, um Rohöl auch dann zu befördern, wenn Seewege versperrt sind. Jetzt sind beide Transportwege blockiert – und die Notierungen für Rohöl reagieren mit spürbaren Preisaufschlägen.
Was der Eskalation vorausging
Die Bab-al-Mandeb-Straße stellt die Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden her und zählt zu den bedeutendsten Nadelöhren des weltweiten Ölhandels. Täglich werden schätzungsweise rund sieben Millionen Barrel Rohöl durch diese Meerenge transportiert. Falls die Passage auf Dauer blockiert bleiben sollte, müssten Tanker den deutlich längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung in Afrika nehmen – verbunden mit massiv gestiegenen Kosten und längeren Lieferzeiten.
Die Huthis haben in den letzten Monaten wiederholt Frachtschiffe im Roten Meer attackiert. Durch die nun erfolgte Besetzung weiterer Küstenabschnitte entlang der Meerenge bauen sie ihre Machtstellung aus und können den Schiffsverkehr künftig noch gezielter überwachen oder unterbinden.
Der militärische Konflikt zwischen Washington und Teheran dauert mittlerweile fast sieben Monate an. Experten zufolge haben der Iran und seine Verbündeten damit einen weiteren bedeutenden Öltransportweg im Nahen Osten unter ihre Kontrolle gebracht. Die Angriffe auf die saudische Pipeline erschweren zudem Ausweichrouten, die bislang den Ölfluss aus der Region in die Weltmärkte aufrechterhalten haben.
Folgen für die Rohölnotierungen
Das Zusammenspiel aus lahmgelegter Pipeline und wirksamer Kontrolle der Meerenge treibt die Preise für Rohöl in die Höhe. Marktbeobachter bewerten die Entwicklung als ernste Gefahr für die Versorgungssicherheit. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, sind weitere Preissteigerungen wahrscheinlich – mit direkten Auswirkungen auf Endverbraucher und die globale Industrie.
Besonders prekär ist die Lage für Saudi-Arabien. Das Königreich ist auf intakte Exportrouten angewiesen, um seine Fördermengen auf den Weltmarkt zu bringen. Die Ost-West-Pipeline war als strategische Rückfallebene konzipiert, um Lieferengpässe auf den Seewegen zu kompensieren. Dass nun beide Wege betroffen sind, stellt die saudische Führung vor immense Schwierigkeiten.
Die Ereignisse verdeutlichen, wie anfällig die globalen Ölversorgungswege sind. Der Nahe Osten bleibt trotz aller Bestrebungen zur Diversifizierung der zentrale Dreh- und Angelpunkt des internationalen Handels mit Rohöl. Jede Beeinträchtigung in dieser Region schlägt sich unmittelbar in den Preisen an den Weltmärkten nieder – ein Umstand, den Rohstoffanleger genau im Blick behalten sollten.
