Frankreich und Italien verhandeln mit Iran über Straße von Hormus
Europäische Diplomatie soll Energielieferungen durch die strategisch wichtige Meerenge wieder sicherstellen.

Frankreich und Italien haben Gespräche mit dem Iran aufgenommen, um eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf eingeweihte Beamte. Ziel ist es, europäischen Schiffen wieder eine sichere Passage durch die Meerenge zu garantieren und damit die Energielieferungen aus der Golfregion zu normalisieren.
Die Straße von Hormus ist von enormer strategischer Bedeutung: Rund ein Fünftel des weltweiten Erdöls und Flüssigerdgases (LNG) fließt normalerweise durch dieses enge Nadelöhr. Nach iranischen Angriffen auf Tanker und der Ankündigung des neuen iranischen Obersten Führers, die Passage geschlossen zu halten, sind die Lieferungen durch die Meerenge fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Folgen sind bereits an den Energiemärkten spürbar.
Die Ölpreise sind seit Jahresbeginn von knapp 60 US-Dollar je Barrel auf rund 100 US-Dollar gestiegen. Die europäischen Erdgaspreise legten im gleichen Zeitraum um 75 Prozent zu. Für Unternehmen und Haushalte in Europa bedeutet das eine erhebliche Mehrbelastung – ein zentraler Treiber hinter den diplomatischen Bemühungen.
Keine Garantie für Gesprächsfortschritte
Die Verhandlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Zwei informierte Beamte betonten gegenüber der FT, es gebe keine Garantie dafür, dass die Gespräche Fortschritte machen oder dass der Iran überhaupt zu ernsthaften Verhandlungen bereit sei. Europäische Hauptstädte agieren bewusst vorsichtig, um den Konflikt nicht weiter zu eskalieren.
Italien, Frankreich und Griechenland haben im Rahmen der EU-Marineschutzmission Aspides bereits Kriegsschiffe im Roten Meer stationiert. Dennoch ist keine europäische Marine bereit, Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, solange ein Angriffsrisiko besteht. Die Sorge vor einer militärischen Eskalation bremst das Engagement.
Die Nachricht ließ die S&P-500-Futures am Freitagmorgen kurzzeitig ansteigen, während die Rohölpreise leicht nachgaben. Investoren werteten die Gesprächsaufnahme als mögliches Signal einer Entspannung der Lage am Ölmarkt. Ob die Diplomatie tatsächlich Früchte trägt, bleibt jedoch abzuwarten.
