Chiles Staatskonzern Codelco trennt sich nach Bilanzskandal von acht Beschäftigten
Der chilenische Kupferkonzern Codelco hat acht Mitarbeiter entlassen, darunter Führungskräfte mehrerer Minendivisionen, nachdem überhöhte Produktionszahlen für 2024 und 2025 aufgedeckt wurden. Die Ermittlungen werfen Fragen zur Verlässlichkeit der offizie

Der staatliche Kupferkonzern Chiles, Codelco, hat acht Angestellte entlassen – darunter mehrere Personen in Führungspositionen. Die Personalmaßnahme wurde am Donnerstag offiziell bekannt gegeben und steht im direkten Kontext der laufenden Ermittlungen zu überhöht ausgewiesenen Kupferfördermengen in den Jahren 2024 und 2025.
Betroffen von den Kündigungen sind Führungskräfte der Sparten Chuquicamata, Ministro Hales und Salvador sowie Mitarbeiter der Konzernzentrale. In einer offiziellen Stellungnahme informierte das Unternehmen über die personellen Entscheidungen. Als einer der größten Kupferproduzenten der Welt nimmt Codelco eine Schlüsselrolle im internationalen Kupferhandel ein.
Für private Anleger in Deutschland ist der Fall relevant, da das Industriemetall Kupfer in hohem Maße vom chilenischen Angebot abhängig ist. Wenn Zweifel an der Verlässlichkeit der Produktionsdaten eines der führenden Anbieter aufkommen, kann dies die Preisbildung und die Bewertung von Minenaktien spürbar beeinflussen.
Die Einzelheiten
Die Liste der entlassenen Personen ist umfangreich und reicht bis in die obersten Ebenen der zentralen Minendivisionen. Wie Codelco mitteilte, wurde der Superintendent für Schmelzbetriebe in Salvador seines Postens enthoben. Darüber hinaus verloren die Leiter für Mineralressourcen und Entwicklung in allen drei Minendivisionen sowie in den Konzernbüros ihre Anstellung.
In der Division Ministro Hales wurde der Verantwortliche für Qualität und metallurgische Bilanzierung entlassen. Zudem traf es den Leiter der metallurgischen Bewertung, eine Stelle innerhalb der konzerninternen Buchhaltung. Die Maßnahmen betreffen damit sowohl den operativen Bereich als auch jene Abteilungen, die für die Erfassung und Bewertung der Fördermengen zuständig zeichnen.
In einer weiteren Mitteilung kündigte der Konzern eine personelle Neuaufstellung an. Felipe Lagnow wird künftig die Position des Generalmanagers in der Division Salvador bekleiden. Er übernimmt von Patricio Viveros, dessen Funktion ersatzlos gestrichen wurde. Durch die Abschaffung dieser Rolle und die Abberufung des Superintendenten für Schmelzoperationen greift Codelco massiv in die Führungsstruktur der Division Salvador ein.
Zu dem Ausmaß, in dem die gemeldeten Produktionszahlen überhöht waren, hat sich das Unternehmen bislang nicht geäußert. Auch die Gesamtzahl der von der Untersuchung betroffenen Mitarbeiter bleibt unveröffentlicht. Fest steht lediglich, dass die Maßnahmen gleichzeitig mehrere Divisionen und die Konzernzentrale erfassen.
Hintergrund: Der bisherige Verlauf
Die aktuellen Entlassungen sind Teil einer fortlaufenden Aufarbeitung des Skandals. Bereits am 07.10.2026 hatte aktien.news darüber berichtet, dass Codelco neue Belege für eine übermäßige Meldung der Kupferproduktion in den Jahren 2024 und 2025 prüft. Die bis dahin vorliegenden Erkenntnisse deuteten auf eine künstlich aufgeblähte Förderung in den Divisionen Ministro Hales und Salvador hin – möglicherweise als Folge einer doppelten Verbuchung derselben Produktion in beiden Minen.
Zuvor hatte Codelco bereits einen Executive entlassen und weitere disziplinarische Schritte gegen andere Mitarbeiter eingeleitet. Auslöser war ein Audit, das unangemessene Produktionsberichte im Zusammenhang mit den Minen Chuquicamata und Ministro Hales aufgedeckt hatte. Anfang des Monats räumte das Unternehmen ein, dass die Produktionszahlen für 2024 und 2025 möglicherweise künstlich aufgeblähte Ausbeuten aus den Divisionen Ministro Hales und Salvador enthalten könnten.
Der Vorfall ereignet sich in einer Phase, in der Codelco ohnehin stark unter Druck steht. Am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Umstrukturierungsplan des Staatskonzerns womöglich erst Ende 2026 abgeschlossen sein wird. Ursprünglich war der Turnaround-Plan bereits für Oktober angekündigt worden. Vier mit der Sache vertraute Quellen sprachen damals von einer möglichen Personalreduzierung zwischen fünf und 20 Prozent. Codelco selbst gab an, es sei zu früh, um über Spekulationen zu sprechen.
Auch operative Rückschläge haben das Unternehmen in den vergangenen Monaten begleitet. Am 02.10.2026 berichtete aktien.news über einen tödlichen Unfall in der Kupfermine Radomiro Tomic im Norden Chiles, bei dem ein Auftragnehmer während Wartungsarbeiten ums Leben kam. Bereits am 28.07.2026 hatte aktien.news über verheerende Stürme in Chile berichtet, die den Kupferbergbau erheblich beeinträchtigten und mindestens 13 Todesopfer forderten. Die Unwetter verursachten Sturzfluten und heftige Schneefälle im Norden des Landes, wo sich einige der größten Kupferminen der Welt befinden.
Bedeutung für Anleger
Kupfer zählt zu den Schlüsselrohstoffen für Elektrifizierung, Energiewende und Rechenzentren. Wenn der weltweit führende Kupferproduzent Chile betroffen ist, hat das unmittelbare Auswirkungen auf das globale Angebot. Die überhöht gemeldeten Produktionszahlen bei Codelco sind daher weit mehr als ein reines Buchhaltungsproblem: Sie werfen grundlegende Fragen zur Verlässlichkeit der offiziell ausgewiesenen Fördermengen auf.
Für Anleger mit Engagements in Bergbauunternehmen oder Rohstofffonds bedeutet dies ein zusätzliches Element der Unsicherheit. Die nun entlassenen Führungskräfte waren zum Teil ausgerechnet für die Erfassung und Bewertung der Produktionsdaten verantwortlich. Dass Codelco diese Positionen neu besetzt oder gänzlich streicht, zeigt, wie tiefgreifend der Konzern in die eigene Berichterstattung eingreift.
Hinzu kommt die unklare Datenlage. Solange nicht geklärt ist, in welchem Umfang die gemeldeten Mengen von der tatsächlichen Ausbeute abwichen, bleibt offen, wie belastbar die offiziellen Produktionszahlen der betroffenen Jahre sind. Dies erschwert die Einschätzung, wie sich Angebot und Nachfrage am Kupfermarkt tatsächlich entwickeln.
Gleichzeitig bemüht sich Codelco eigenen Angaben zufolge seit dem Einbruch der Jahre 2022 und 2023, die Produktion wieder anzukurbeln. Damals war die Förderung auf ein Zwei-Jahrzehnte-Tief gefallen. Die Kombination aus schwacher Ausbeute, laufender Umstrukturierung und interner Untersuchung macht die Situation für den Konzern äußerst komplex.
Ausblick
Codelco hat bislang nicht bekannt gegeben, wann die Untersuchung zu den überhöht gemeldeten Produktionszahlen abgeschlossen sein wird. Rohstoff-Anleger müssen sich daher weiterhin auf eine Phase erhöhter Unsicherheit rund um die tatsächlichen Kupferfördermengen des chilenischen Staatskonzerns einstellen.
