Agrarrohstoffe legen zu: Weizen und Mais auf Mehrjahreshochs
An der CBOT zogen Weizen- und Maispreise kräftig an, getrieben durch geopolitische Spannungen im Schwarzmeerraum und gesenkte Ertragsprognosen aus den USA. Für Rohstoff-Anleger bleibt die Lage an den Exportterminals der entscheidende Preisfaktor.

An der Chicago Board of Trade (CBOT) zogen die Notierungen für Weizen und Mais am Mittwoch kräftig an. Ausschlaggebend für den Preisanstieg sind geopolitische Konflikte rund um das Schwarze Meer sowie zunehmende Unsicherheiten über die weltweiten Ernteerträge.
Der Weizenkontrakt mit Fälligkeit Dezember kletterte auf 7,19-1/4 US-Dollar und erreichte damit den höchsten Wert seit Mai 2024. Auch Mais konnte zulegen: Der Dezember-Kontrakt stieg auf 5,30 US-Dollar pro Scheffel, ein Niveau, das zuletzt im Juli 2023 erreicht worden war.
Lieferkettenrisiken beflügeln Weizennotierungen
Haupttreiber der Aufwärtsbewegung bei Weizen sind die wachsenden Behinderungen der Getreideverladungen in russischen und ukrainischen Schwarzmeerhäfen. Infolge jüngster Kampfhandlungen sind die Verschiffungen nahezu vollständig eingestellt worden.
Besonders prekär stellt sich die Lage in Noworossijsk dar, dem bedeutendsten Exportterminal Russlands am Schwarzen Meer. Der Terminalbetreiber NKHP teilte mit, dass die Instandsetzungsarbeiten an einem der drei Getreideterminals bis zu vier Monate dauern könnten. Dies verschlechtert die ohnehin angespannte Versorgungssituation auf dem internationalen Getreidemarkt weiter.
Hinzu kommen widrige Wetterverhältnisse, welche die Produktion beeinträchtigen. Landwirtschaftliche Experten aus der Ukraine berichten von Trockenperioden, die die Aussaat der Wintergetreidekulturen massiv behindern. Das Zusammenspiel von geopolitischen Unsicherheiten und widrigen Klimabedingungen erzeugt eine volatile Situation an den Agrarmärkten.
Mais gestützt durch reduzierte Ertragsprognosen in den USA
Auch die Maisnotierungen profitierten von dieser Entwicklung und gaben dem gesamten Agrarsektor Auftrieb. Marktteilnehmer reagierten auf nach unten korrigierte Ertragserwartungen für die amerikanische Maisernte. Bereits am Montag hatte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) bekannt gegeben, dass die wöchentlichen Beurteilungen des Erntezustands deutlicher gesunken seien als von Analysten vorhergesehen. Dies verstärkte den Preisdruck nach oben.
Ein optimistischeres Bild zeichnet sich dagegen in Argentinien ab. Die dortige Börse in Buenos Aires kalkuliert für die Saison 2026/27 mit einer Maisanbaufläche von 8,4 Millionen Hektar. Begünstigt durch bessere Bodenfeuchte infolge des El-Niño-Wetterphänomens bleibt das Niveau im Vergleich zum vorangegangenen Zyklus stabil.
Marktdaten im Detail
Bei Handelsschluss notierte der CBOT-Dezember-Weizen (Soft Red Winter) bei 7,15-1/2 US-Dollar pro Scheffel, ein Plus von 12-1/4 Cent. Auch andere Weizensorten verzeichneten Aufschläge: Kansas City Hard Red Winter Weizen gewann 11-1/2 Cent auf 7,82-1/4 US-Dollar, Minneapolis Spring Wheat stieg um 8-1/2 Cent auf 7,28-1/2 US-Dollar. Die Mais-Futures legten um 3 bis 5 Cent pro Scheffel zu.
Die jüngsten Kursausschläge verdeutlichen, wie anfällig die weltweiten Agrarmärkte für geopolitische Spannungen und Wetterextreme sind. Für Anleger, die in Rohstoffe investieren, bleibt die Entwicklung rund um das Schwarze Meer der maßgebliche Einflussfaktor für die künftige Preisdynamik. Die anstehenden USDA-Veröffentlichungen zu den Getreidebeständen werden mit großer Aufmerksamkeit erwartet.
