Wasserstreit am Indus: Indien widersetzt sich Schiedsspruch gegen Pakistan
Indien weist den Schiedsspruch des Ständigen Schiedshofs zum Indus-Wasserabkommen zurück und hält an der Aussetzung des Vertrags fest. Der Konflikt zwischen den beiden Atommächten um die Wasserressourcen der Region eskaliert damit weiter.

Die Führung in Neu-Delhi hat einen Urteilsspruch des Ständigen Schiedshofs (PCA) in Den Haag entschieden zurückgewiesen, der Indien zur Fortführung des historischen Indus-Wasserabkommens mit Pakistan verpflichtet. Der PCA gab am Montag Pakistan recht und urteilte, dass der 1960 geschlossene Vertrag in vollem Umfang gültig bleibe. Delhi habe keine stichhaltigen Argumente für eine Kündigung oder Aussetzung vorgebracht.
Indien hatte das Abkommen im April des Vorjahres nach einem Terroranschlag in der umstrittenen Kaschmir-Region für nichtig erklärt. Die Regierung in Neu-Delhi machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich, während Islamabad jede Beteiligung von sich wies. Die indische Seite erklärte nun, der Schritt zur Aussetzung bleibe weiterhin gültig.
Weitreichende Konsequenzen des Schiedsspruchs
Darüber hinaus verpflichtete der PCA Indien zu Einschränkungen beim Bau des Wasserkraftwerks Ratle in Kaschmir. Konkret untersagte das Gericht Arbeiten an der Staumauer und der Einlaufstruktur jenseits festgelegter Höhenmarken. Diese Anordnung gilt bis 90 Tage nach einem finalen Urteil eines von der Weltbank eingesetzten neutralen Sachverständigen, das voraussichtlich vor Juli 2027 erwartet wird.
Die Entscheidung des Schiedsgerichts verschärft einen seit Langem schwelenden Wasserkonflikt zwischen zwei Atommächten zusätzlich. Das von der Weltbank vermittelte Indus-Abkommen regelt die Nutzung der Flüsse im Indus-Einzugsgebiet, das sich über Indien, Pakistan, Afghanistan und China erstreckt.
Die historische Tragweite des Indus-Vertrags
Gemäß dem Abkommen stehen Indien die östlichen Flüsse des Einzugsgebiets uneingeschränkt zur Verfügung, während Pakistan die Nutzungsrechte an den westlichen Flüssen erhält. Der Vertrag überstand drei Kriege und lange Perioden diplomatischer Eiszeit, geriet jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck.
Als flussabwärts gelegenes Land ist Pakistan in hohem Maße auf die Einhaltung des Indus-Wasserabkommens angewiesen. Millionen Menschen sind für ihren Lebensunterhalt und ihr Überleben auf das Wasser aus den Flüssen angewiesen. Laut Daten des Chatham House versorgt das Indus-Einzugsgebiet rund 80 Prozent der bewässerten Landwirtschaft des Landes. Dieser Sektor beschäftigt etwa 65 Prozent der Erwerbstätigen und trägt rund 25 Prozent zum pakistanischen Bruttoinlandsprodukt bei.
Stimmen aus Islamabad
Pakistans Außenminister Ishaq Dar begrüßte den PCA-Spruch in den sozialen Medien. In Islamabad gilt die Entscheidung als bedeutender diplomatischer Erfolg. Für Pakistan stehen existenzielle Fragen der Wasserversorgung im Raum, während Indien auf seiner Souveränität in der Kaschmir-Region beharrt.
Der Konflikt um das Wasserabkommen verdeutlicht, wie stark Ressourcenstreitigkeiten mit geopolitischen Spannungen verwoben sind. Der Indus-Wasservertrag galt über Jahrzehnte als vorbildliches Modell für Konfliktlösung zwischen verfeindeten Nationen. Ob er diese Rolle auch künftig ausfüllen kann, ist nach der jüngsten Eskalation fraglich geworden.
