Valterra Platinum: Milliarden-Entscheidung über Untertagebau in Südafrikas größter Platinmine
Valterra Platinum treibt den geplanten Übergang vom Tagebau zum Untertagebau in der Mine Mogalakwena voran. Die finale Investitionsentscheidung für das Projekt Sandsloot soll 2027 fallen, während das Unternehmen auf steigende PGM-Nachfrage durch Hybridfah

Bei Valterra Platinum bahnt sich eine richtungsweisende Weichenstellung an, die das größte Platinbergwerk der Welt grundlegend umgestalten könnte. Der Konzern lotet derzeit aus, ob die Mine Mogalakwena – gelegen auf halber Strecke zwischen Pretoria und der Grenze zu Simbabwe – künftig unterirdisch statt im offenen Tagebau betrieben werden soll. Das Bergwerk gilt als das wertvollste Asset des Unternehmens und birgt Reserven für mehr als acht Jahrzehnte.
Allerdings sinken die Erzgehalte in den Tagebaugruben, gleichzeitig steigen die Förderkosten. Daher denkt Valterra über einen Schritt in die Tiefe nach. Das Untertageprojekt hört auf den Namen Sandsloot und wird bereits seit geraumer Zeit geprüft – nun rückt eine Umsetzung in greifbare Nähe.
Noch im laufenden Jahr will Valterra mit ersten Probebohrungen und Abbauversuchen starten, die finale Investitionsentscheidung (Final Investment Decision) ist für 2027 vorgesehen. „Wir sind überzeugt, dass der Untertagebau für uns die wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt“, erklärte Finanzvorstand Sayurie Naidoo gegenüber Bloomberg Television’s Chief Future Officer.
Die Einzelheiten
Würde die Untertageanlage in Mogalakwena grünes Licht erhalten, wäre dies der folgenreichste Schritt des Unternehmens seit der Trennung von Anglo American im Juni 2025. Das Vorhaben würde den Zugang zu Millionen Unzen hochgradigen Erzmaterials ermöglichen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die weltweite Förderung von Platingruppenmetallen (PGM) in den nächsten Jahren voraussichtlich rückläufig sein wird.
Valterra ist in Südafrika mit drei Förderstätten aktiv. Das Land besitzt nahezu 80 Prozent der globalen PGM-Reserven. Die Weiterentwicklung von Mogalakwena ist daher von zentraler Bedeutung für den wertmäßig größten PGM-Produzenten des Landes.
Der Zeitpunkt der Entscheidung könnte kaum brisanter sein. Den größten Absatzmarkt für PGMs bilden Katalysatoren, die schädliche Abgase von Benzin- und Dieselfahrzeugen reduzieren. Dieses Standbein gerät durch die zunehmende Verbreitung von Elektroautos unter Druck. Die Unternehmensführung von Valterra zeigt sich jedoch weiterhin zuversichtlich und hebt hervor, dass Prognosen zur Marktdurchdringung batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) in der Vergangenheit regelmäßig zu optimistisch ausgefallen seien.
„Wir sind fest davon überzeugt, dass PGMs auch in der künftigen Mobilität eine wichtige Funktion einnehmen werden“, sagte Konzernchef Craig Miller im selben Interview. Er verweist auf die anhaltende Bedeutung von Verbrennungsmotoren, den wachsenden Hybridmarkt und – langfristig betrachtet – die Chancen von wasserstoffbetriebenen Antriebssystemen. „Unser Portfolio enthält noch für viele Jahrzehnte PGM-Reserven, daher gibt es keinerlei Versorgungsengpässe“, so Miller.
Ein weiteres Standbein könnte die künstliche Intelligenz werden. Der KI-Boom treibt gewaltige Investitionen in Rechenzentren und Hochleistungschips voran. „Hier sehen wir ein deutlich größeres Potenzial als bislang angenommen“, sagte Naidoo.
Bisherige Entwicklung
Bereits am 17.09.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Mogalakwena aus Sicht von Valterra Platinum „eindeutig“ die spannendste Ressource der PGM-Bergbaubranche sei. Der leitende Bergbaudirektor Willie Theron erklärte damals bei einer Präsentation, das Unternehmen strebe auf Basis von sechs Elementen (6E) eine jährliche Produktion zwischen 900.000 und einer Million Unzen an. Bezogen auf vier Elemente (4E) belaufen sich die Reserven bei Mogalakwena laut Theron auf insgesamt 285 Millionen Unzen.
Am 18.07.2026 folgte die Meldung eines außergewöhnlichen Gewinnsprungs: Für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (bis 30. Juni) erwartete Valterra einen Anstieg des Headline-Gewinns um mehr als 1.388 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Headline-Gewinn wurde auf 18,5 bis 22,2 Milliarden Rand beziffert – nach lediglich 1,2 Milliarden Rand im entsprechenden Vorjahresabschnitt. Der Headline-Gewinn je Aktie (HEPS) wurde auf 70,47 bis 84,56 Rand geschätzt, gegenüber 4,73 Rand im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025.
Am 04.08.2026 berichtete aktien.news, dass Valterra KI gezielt nutzt, um neue Absatzmärkte für Platingruppenmetalle zu identifizieren. CEO Craig Miller bestätigte dies gegenüber dem Fachmagazin Mining Weekly beim Medien-Roundtable des Unternehmens. Auf die Frage, ob KI zur Erschließung neuer PGM-Märkte eingesetzt werden könne, antwortete Miller: „Die kurze Antwort lautet: Ja.“
Am 12.06.2026 berichtete aktien.news über den ersten „Sustainability Day“ des Unternehmens in Johannesburg. Valterra unterstrich dort die fundamentale Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Zukunft des Bergbaus und stellte sie als strategische Notwendigkeit dar, die im gesamten Konzern verankert ist.
Bedeutung für Anleger
Für Rohstoff-Anleger in Deutschland ist die Sandsloot-Entscheidung ein zentraler Indikator für die langfristige Ertragskraft von Valterra Platinum. Das Unternehmen hängt maßgeblich an einem einzigen, sehr großen Asset: Mogalakwena. Gelingt der Umstieg auf den Untertagebau, könnte Valterra Millionen Unzen hochgradiges Erz fördern – genau in einer Phase, in der das globale PGM-Angebot nach Einschätzung des Managements zurückgehen dürfte.
Die Nachfrageseite bleibt jedoch der entscheidende Risikofaktor. Katalysatoren für Verbrennungsmotoren sind weiterhin der größte Abnehmer. Sollte die Elektromobilität rascher voranschreiten als vom Unternehmen erwartet, würde dies die PGM-Nachfrage belasten. Valterra setzt dagegen auf Hybridfahrzeuge, Wasserstoffantriebe und den steigenden Bedarf der KI-Infrastruktur.
Anleger sollten zudem den hohen Kapitalbedarf im Auge behalten. Ein Untertagebau ist ein langfristig angelegtes Investitionsprojekt: Probebohrungen noch in diesem Jahr, finale Investitionsentscheidung erst 2027. Zwischen Ankündigung und tatsächlicher Produktion liegt somit ein erheblicher Zeitraum. Die jüngsten Gewinnzahlen aus dem Juli 2026 belegen jedoch, dass Valterra operativ derzeit äußerst profitabel wirtschaftet.
Ausblick
Der Fahrplan des Unternehmens ist klar
