VAE verlassen OPEC: Schwerer Schlag für die Ölallianz
Die Vereinigten Arabischen Emirate erklären ihren Austritt aus OPEC und OPEC+ – wirksam ab 1. Mai.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben ihren Austritt aus der Ölallianz OPEC sowie dem erweiterten Verbund OPEC+ bekanntgegeben. Laut staatlichen Medien soll der Schritt am 1. Mai vollzogen werden. Als Begründung nennt eine offizielle Erklärung eine eingehende strategische Abwägung – auch mit Blick auf die anhaltenden "Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus".
Dem Austritt gingen scharfe Vorwürfe der VAE an andere arabische Staaten voraus. Abu Dhabi hatte seinen Nachbarn in der Region vorgeworfen, das Land nicht ausreichend vor den zahlreichen iranischen Angriffen im Zuge des Krieges am Golf zu schützen. Energieminister Suhail Mohamed al-Masrui bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Entscheidung sei nach sorgfältiger Prüfung der nationalen Energiestrategie gefallen. Auf die Frage, ob die VAE die Entscheidung mit Saudi-Arabien abgestimmt hätten, antwortete er, das Thema sei mit keinem anderen Staat besprochen worden.
Historischer Einschnitt für die Ölmärkte
Der Austritt trifft die OPEC zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Krieg gegen Iran hat bereits einen historischen Energieschock ausgelöst und die Weltwirtschaft erheblich verunsichert. Für die verbleibenden Mitglieder und De-facto-Anführer Saudi-Arabien ist der Verlust eines langjährigen Partners ein schwerer Rückschlag – zumal die OPEC trotz interner Spannungen stets um ein geschlossenes Auftreten bemüht war.
Die Bedeutung der VAE für die Allianz lässt sich an Zahlen ablesen: Im März förderten die Emirate noch 3,4 Millionen Barrel Öl pro Tag – das entspricht mehr als 16 Prozent der gesamten OPEC-Produktion. Dieser Wert galt, bevor der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Fördermengen einbrechen ließ. Für Privatanleger, die in Öl-ETFs, Energieaktien oder Rohstoff-Zertifikate investiert sind, dürfte die Entwicklung die Volatilität am Ölmarkt weiter erhöhen.
Trump sieht sich bestätigt – OPEC geschwächt
Für US-Präsident Donald Trump kommt der Austritt der VAE einem politischen Erfolg gleich. Er hatte der OPEC wiederholt vorgeworfen, den Rest der Welt durch künstlich hochgehaltene Ölpreise zu benachteiligen. Der Zerfall der Allianz schwächt deren Fähigkeit, über koordinierte Förderquoten den globalen Ölpreis zu steuern – ein Instrument, das die Mitglieder seit Jahrzehnten einsetzen.
Der OPEC gehörten zuletzt zwölf Staaten an, darunter neben den VAE und Saudi-Arabien auch Iran, Irak, Kuwait, Libyen und Venezuela. Russland, Oman und Brasilien sind Teil des erweiterten OPEC+-Verbunds. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Golfstaat die Allianz verlässt: Bereits Anfang 2019 trat Katar aus – mit der Begründung, als weltweit führender Gasexporteur keine Notwendigkeit für eine OPEC-Mitgliedschaft mehr zu sehen.
Der überraschende Schritt der VAE dürfte die Diskussion über die Zukunft der OPEC neu entfachen. Ob weitere Mitglieder dem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten – die Signalwirkung für die globalen Energiemärkte ist jedoch bereits jetzt erheblich.
