Ukraine setzt Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien wieder fort
Selenskyj kündigt Wiederaufnahme der Angriffe auf russische Ölraffinerien an – für Rohstoff-Anleger steigen die Risiken einer erneuten Dieselpreisrallye.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Wiederaufnahme der Attacken auf russische Erdölverarbeitungsanlagen angekündigt. In einem Gespräch mit der Financial Times in London sagte er unmissverständlich: „Die Blockade [gegen Schläge auf Raffinerien] ist aufgehoben. Wir sind damit durch." Damit macht Kiew eine eigenständig verhängte Kampfpause rückgängig, die auf Drängen der US-Regierung zustande gekommen war.
Gleichzeitig äußerte Selenskyj seinen Unmut über einen nach seinen Worten „gefährlichen" Rückzug der amerikanischen Geheimdienste sowie eine gedrosselte Leistung des Starlink-Satelliteninternets in einer Phase heftiger russischer Offensiven. Er kritisierte ferner die Bestrebungen Washingtons, Handelsbeziehungen mit Moskau aufzubauen, sowie die offenkundige Wertschätzung von US-Präsident Donald Trump für den russischen Staatschef Wladimir Putin.
Diese Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die USA Druck auf Kiew ausübten, die Attacken auf russische Raffinerien zu unterlassen. Washington zufolge sei ein Moratorium zusammen mit einem Abkommen mit Moskau über den Erwerb von Hunderttausenden Tonnen russischen Dieselkraftstoffs erforderlich, um die Treibstoffkosten in den USA zu senken.
Die Einzelheiten
Selenskyj gab an, die Energieangriffe für drei Tage ausgesetzt zu haben, um den amerikanischen Vorstellungen zu entsprechen. In dieser Zeit habe Russland jedoch weiterhin Energieinfrastruktur attackiert und Zivilisten getötet. Trotz der ukrainischen Zurückhaltung seien seine Truppen ohne frühzeitige US-Warnungen vor anfliegenden ballistischen Raketen geblieben.
Darüber hinaus sei Elon Musks Starlink-Dienst landesweit in der Geschwindigkeit reduziert worden, was Operationen an der Frontlinie und einige Attacken auf russische Militäranlagen erschwerte. Die USA haben zudem vorgeschlagen, dass europäische Staaten einen Teil der nach der russischen Invasion eingefrorenen Staatsgelder Moskaus in ein von Washington kontrolliertes Konstrukt überführen, um Friedensverhandlungen zu beleben.
Neben dem Ukraine-Konflikt enthält der FirstFT-Newsletter weitere Nachrichten. So informierte das KI-Unternehmen Anthropic Investoren darüber, dass die Erlöse im dritten Quartal um 50 Prozent auf 16,8 Milliarden US-Dollar gestiegen seien und das Unternehmen profitabel gewesen sei. Damit wirbt die Gruppe um Unterstützung für einen spektakulären Börsengang, während Bedenken über das KI-Geschäft bestehen.
An den Finanzmärkten fielen die asiatischen Indizes am Morgen stark, nachdem US-Chipwerte an der Wall Street in der vorangegangenen Nacht massiv eingebrochen waren. Anleger bleiben besorgt wegen Inflation und KI-Gewinnen. Ein weiteres Thema: Private-Credit-Fonds drängen mit einer Initiative auf den größten Transfermarkt des Fußballs, indem sie englischen Vereinen Kredite auf Basis des Spielerwerts anbieten.
Vorgeschichte: Bisherige Entwicklungen
Der Konflikt um die Raffinerieangriffe hat eine längere Historie. Bereits am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass Trump den ukrainischen Präsidenten aufgefordert habe, die gezielten Attacken auf russische Ölraffinerien zu stoppen. Die ukrainischen Drohnenangriffe hätten die Dieselproduktion in Russland nahezu lahmgelegt und so zu einem deutlichen Anstieg der Dieselpreise geführt. Trump äußerte sich damals am Rande der Amgen Irish Open auf seinem Golfplatz in Doonbeg in Irland.
Am gleichen Tag meldete aktien.news eine weitere Aussage Trumps: Er begründete seine Forderung damit, dass die Angriffe „der Welt schadeten", da Versorgungsunterbrechungen infolge der Kriege in der Ukraine und im Iran die Dieselpreise in den USA auf Rekordhöhen trieben. Die Ukraine hatte ihre Attacken auf russische Ölanlagen und Logistikinfrastruktur in den vergangenen Monaten verstärkt, um Moskau nach mehr als viereinhalb Jahren Konflikt die Kriegskosten zu erhöhen.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Ukraine am vorangegangenen Wochenende die Erdölraffinerie von Syzran in der russischen Wolgaregion getroffen habe. Dies bestätigte Selenskyj. Der Angriff zeigte, dass sich beide Länder nicht auf den von Trump behaupteten Energiestopp geeinigt hatten. Trump hatte zuvor erklärt, es bestehe eine Vereinbarung über eine Feuerpause für Energieinfrastruktur. Sowohl Moskau als auch Kiew stellten jedoch klar: Eine derartige Absprache existiert nicht.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am Sonntag aufgefordert habe, die ukrainischen Attacken auf russische Raffinerien zu beenden. Trump befürchtete, dass die Angriffe den globalen Dieselengpass verschärfen und die Preise weiter in die Höhe treiben würden. Die Kernbotschaft des US-Präsidenten sei demnach „Diesel, Diesel … Diesel" gewesen.
Bedeutung für Rohstoff-Anleger
Für Anleger im Rohstoff- und Energiesektor ist Selenskyjs Ankündigung von erheblicher Tragweite. Die Raffinerieangriffe hatten nach früheren Berichten die russische Dieselverarbeitung nahezu zum Stillstand gebracht und die Dieselpreise massiv steigen lassen. Eine erneute Angriffswelle könnte die Angebotssituation auf dem globalen Dieselsegment erneut zuspitzen.
Die Lage bleibt zugleich unübersichtlich: Washington verfolgt Selenskyj zufolge das Ziel, russischen Diesel zu erwerben, um die amerikanischen Treibstoffpreise zu drücken. Die von den USA angeregte Überführung eingefrorener russischer Staatsgelder in ein von Washington kontrolliertes Vehikel soll die Friedensgespräche voranbringen. Ob und wann dies geschieht, bleibt ungewiss.
Auch die weiteren Meldungen des Newsletters berühren Anlegerinteressen. Der Umsatzsprung bei Anthropic und der geplante Börsengang fallen in eine Zeit, in der Marktteilnehmer wegen Inflation und KI-Erträgen verunsichert sind – was sich zuletzt in einem deutlichen Einbruch von US-Chipaktien und starken Verlusten an den asiatischen Börsen zeigte.
Ausblick
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