TVA-Millionendeal: NuScale Power kurz vor historischem Meilenstein
NuScale Power steht kurz vor einem historischen PPA mit der Tennessee Valley Authority. Ein Erfolg des 6-Gigawatt-Projekts wäre nicht nur ein Meilenstein für das Unternehmen, sondern könnte die gesamte SMR-Branche nachhaltig prägen.

Die Atomenergie erlebt womöglich eine Zeitenwende. Fachleute der Bank of America taxieren den weltweiten Markt in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu zehn Billionen US-Dollar. Besonders großes Potenzial sehen sie in einer noch jungen Technologie: Small Modular Reactors (SMR), also kompakte, modulare Reaktoren.
„Vor dem Hintergrund des massiv wachsenden Stromverbrauchs, der unter anderem durch den Ausbau von KI-Rechenzentren befeuert wird, könnte die Kernkraft eine mögliche Antwort sein“, hieß es in einer aktuellen Studie der Bank of America. „Neue technologische Entwicklungen rücken den Wendepunkt für SMR in greifbare Nähe und könnten die Lieferketten der Nuklearindustrie im kommenden Jahrzehnt grundlegend verändern.“
NuScale Power an der Spitze der SMR-Entwicklung
NuScale Power (SMR+2,60%) ist gegenwärtig das einzige US-Unternehmen, das von den Behörden die Freigabe für den Bau eines SMR-Systems erhalten hat. Unternehmenschef John Hopkins erklärte gegenüber Investoren, NuScale sei „das einzige SMR-Unternehmen weltweit, das eine standardisierte Design-Zulassung der US-Atomaufsicht (Nuclear Regulatory Commission) vorweisen könne“. Diese Genehmigung liege für zwei verschiedene Ausführungen vor – die 50-Megawatt- und die 77-Megawatt-Module.
Während viele Wettbewerber noch auf ihre Zulassung warten, hat NuScale die frühen Genehmigungen genutzt, um bedeutende Abkommen zu schließen. Das mit Abstand gewichtigste ist ein 6-Gigawatt-Projekt mit der Tennessee Valley Authority (TVA). Sollte diese Anlage verwirklicht werden, wäre sie die größte SMR-Anlage auf dem gesamten Globus.
Der alles entscheidende Augenblick: Der PPA mit der TVA
Die Zahlen für das zweite Quartal sind bereits veröffentlicht, die Ergebnisse für das dritte Quartal erwartet NuScale voraussichtlich am 5. November. Bei dieser Vorlage dürfte ein Punkt besonders im Rampenlicht stehen: Konnte ein Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit der TVA unterzeichnet werden?
Ein solcher PPA würde die TVA dazu verpflichten, den erzeugten Strom aus dem Vorhaben abzunehmen. Diese finanzielle Bindung wäre der entscheidende Schritt, der NuScale den Start der Bauarbeiten ermöglicht. Wie bedeutsam ein PPA für das Geschäftsmodell und die Aktienentwicklung von NuScale ist, lässt sich kaum überschätzen.
Die Marktteilnehmer zeigen sich derzeit zurückhaltend, ob das TVA-Projekt jemals realisiert wird. Diese Skepsis drückt sich im schwachen Aktienkurs und einer Börsenbewertung von unter vier Milliarden US-Dollar aus.
Rückblick: Das gescheiterte UAMPS-Vorhaben
Um abzuschätzen, wie stark die Aktie bei einem unterzeichneten PPA zulegen könnte, hilft ein Blick auf die Historie gescheiterter NuScale-Projekte. Bereits 2019 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit Utah Associated Municipal Power Systems (UAMPS) ein. Der anfängliche Plan sah sechs 77-Megawatt-SMR-Module mit einer Gesamtkapazität von 462 MW vor, die 2029 ans Netz gehen sollten.
Doch Verzögerungen und höhere Kosten als kalkuliert führten dazu, dass sich die Versorgungspartner zurückzogen. „Erhebliche Kostensteigerungen und Verzögerungen gegenüber dem ursprünglich geplanten Betriebsstart 2026 verunsicherten die Energieversorger … was mehrere dazu bewog, sich aus einer 2019 geschlossenen Vereinbarung zurückzuziehen, 200 MW aus den Reaktoren nach deren Fertigstellung zu erwerben“, fasste ein Branchenreport zusammen.
Bevor die Absage Ende 2023 publik wurde, hatte der NuScale-Aktienkurs bereits fast 80 Prozent eingebüßt. Ein Branchenkenner warnte damals: „Auch wenn es bei diesem Vorhaben spezielle Schwierigkeiten gab – die finanziellen Hürden und Kostentrends, die hier zutage traten, werden jedes SMR-Projekt betreffen. In einer rationalen Welt würde kein Energieversorger und keine Regierung auch nur einen Cent mehr in diese theoretischen Reaktorkonzepte stecken.“
Ausblick: Ein PPA als Wendepunkt
Diese Sorgen lasten auch beim laufenden TVA-Geschäft auf dem Aktienkurs von NuScale. Ein unterschriebener PPA würde einen großen Teil dieses Risikoabschlags beseitigen. Und sollte der CFO von NuScale richtig liegen, könnte ein solcher PPA bereits mit der nächsten Quartalsvorlage des Unternehmens verkündet werden.
Für Investoren bleibt die Situation damit hochspannend: Der TVA-Deal könnte nicht nur der größte Atomkraftvertrag in der US-Historie werden, sondern auch die Weichen für die gesamte SMR-Branche stellen.
