Pentagon vergibt 2,2 Milliarden Dollar für Mini-Atomreaktoren auf Militärbasen
Das Pentagon vergibt Aufträge über 2,2 Milliarden Dollar für Mikroreaktoren auf fünf Militärbasen. Das Janus-Programm soll die US-Vorherrschaft bei Small Modular Reactors (SMR) zurückgewinnen und die Energieversorgung der Armee unabhängiger machen.

Das US-Verteidigungsministerium hat im Wettrennen um kleine Kernkraftwerke einen Großauftrag vergeben. Fünf Unternehmen erhielten am Mittwoch Verträge über insgesamt 2,2 Milliarden US-Dollar. Sie sollen an fünf Standorten der Armee im ganzen Land eine Serie von nuklearen Mikroreaktoren errichten und betreiben.
Die Ausschreibung erfolgte im Rahmen des sogenannten Janus-Programms der Trump-Regierung. Damit sollen die industriellen Fertigungskapazitäten und die technologische Vorreiterrolle der USA gestärkt werden. Zudem will die Armee ihre Fähigkeit zur weltweiten Machtausübung verbessern. Die Aufträge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Technologiekonzerne bis 2030 rund 7 Billionen US-Dollar in Rechenzentren investieren möchten – getrieben vor allem durch die Künstliche Intelligenz.
Ein Mikroreaktor ist ein kleiner, in Serie gefertigter Kernspaltungsreaktor, der in einen handelsüblichen Schiffscontainer passt. Er soll emissionsfreien Strom und Wärme liefern. Die Anlagen werden voraussichtlich zwischen einem und 20 Megawatt Leistung erbringen – genug, um bis zu 20.000 Haushalte zu versorgen.
Strategischer Hintergrund
Die einzigen derzeit in Betrieb befindlichen kleinen modularen Reaktoren (SMR) stehen in Russland und China. Für Washington ist das eine strategische Herausforderung, galten die USA in diesem Sektor historisch doch als weltweit führend. Das Janus-Programm soll die Vorgaben eines Dekrets von Präsident Trump aus dem Mai 2025 erfüllen. Darin wird die Armee aufgefordert, bis zum 30. September 2028 einen modernen Mikroreaktor auf einem US-Militärgelände in Betrieb zu nehmen.
Die beauftragten Unternehmen und ihre Standorte: Antares Nuclear in Fort Bragg (North Carolina), BWXT Advanced Technologies in Fort Campbell (Kentucky), General Atomics Electromagnetic Systems in Fort Hood (Texas), Radiant in Fort Benning (Georgia) und Westinghouse Government Services in Fort Drum (New York).
Heeresminister Dan Driscoll erklärte: „Mit der Vergabe dieser Aufträge beschleunigen wir unsere Möglichkeiten, eine sichere und verlässliche Grundlastversorgung direkt an unseren Einrichtungen bereitzustellen. Wir schaffen die notwendige Energie-Resilienz, um Kampfverbände weltweit einsetzen zu können, ohne auf verwundbare externe Netze angewiesen zu sein."
Die Armee wird den Einsatz und Betrieb der Reaktoren auf ihren Militärbasen eigenständig regulieren. Dieser Schritt ist nicht unumstritten, da er die US-Atomaufsichtsbehörde NRC auf eine beratende Funktion reduziert. Die Union of Concerned Scientists warnte, dass die jüngsten Bemühungen zur Beschleunigung des Reaktoreinsatzes das Risiko bergen, die NRC und die Sicherheitsstandards in der gesamten Branche zu schwächen. Die Trump-Regierung versichert, dass ihre Reformen keine negativen Folgen für die Sicherheit haben werden.
Jeff Waksman, Principal Deputy Assistant Secretary of the Army for Installations, Energy and Environment, erläuterte: „Diese Anlagen werden von der Armee lizenziert, nicht von der NRC. Es gibt also kein formelles NRC-Verfahren. Die Idee ist jedoch, dass wir am Ende ein kommerzielles Produkt haben wollen. Wir versuchen, von Experimenten und Prototypen zu echten marktfähigen Produkten zu gelangen." Der kommerzielle Betrieb solcher Reaktoren würde künftig unter die Aufsicht der NRC fallen.
Ausblick und historische Erfahrungen
Die ersten fünf Mikroreaktoren werden auf Militärbasen aufgestellt, die bereits an das Stromnetz angeschlossen sind. Künftig könnte die Armee die Technologie auch zur Versorgung abgelegener Standorte nutzen, die keinen Zugang zu alternativen Energiequellen haben.
Waksman stellte jedoch klar: „Ich glaube nicht, dass jemand einen Kernreaktor in eine echte Kampfzone bringen wird. Wir werden nicht bald Atompanzer oder Ähnliches sehen. Aber dort, wo Kernkraft wirklich sinnvoll ist, sind abgelegene und unwirtliche Gegenden – also Orte, an denen Strom schwer zu bekommen ist, wo lange Versorgungswege bestehen oder wo Energie teuer ist."
Er fügte hinzu: „Betrachtet man unsere Situationen, etwa in Alaska oder auf Inseln, haben wir dort oft äußerst prekäre Energieverhältnisse. Auf vielen unserer Pazifikinseln sind wir auf Treibstoff von fremden Schiffen unter fremder Flagge angewiesen, und das bereitet uns Sorge, falls es zu einem künftigen Konflikt kommen sollte. Die Möglichkeit, zuverlässige Energie bereitzustellen, die jahrelang ohne Nachbetankung Strom liefert, wäre ein kompletter Game-Changer."
Die US-Armee blickt auf eine lange und teils schwierige Geschichte mit der Atomenergie zurück. Bereits 1957 nahm sie in Fort Belvoir nahe Washington D.C. den ersten Kernreaktor in Betrieb. Die Anlage mit einer thermischen Leistung von zehn Megawatt speiste Strom ins Netz von Nord-Virginia ein. 1973 wurde der Reaktor stillgelegt, aber erst 2026 nach Feststellung von Kontaminationen vollständig zurückgebaut.
Zudem ereignete sich im Januar 1961 im von der Armee betriebenen Versuchsreaktor Stationary Low-Power Reactor Number One in der Wüste von Idaho eine Dampfexplosion mit Kernschmelze, bei der drei Bediener ums Leben kamen. Es war der einzige tödliche Reaktorunfall in der Geschichte der USA.
