Rohstoff-Diplomatie in Armenien: COP17 und der Kampf um kritische Mineralien
Armenien ist im Oktober 2026 Gastgeber der UN-Biodiversitätskonferenz COP17 und parallel dazu Schauplatz hochrangiger Gespräche zur Sicherung kritischer Rohstoff-Lieferketten. Während die Verhandler um die Schließung einer Milliarden-Finanzierungslücke fü

Armenien hat sich im Oktober 2026 zum Schauplatz eines bedeutenden diplomatischen Schlagabtauschs entwickelt. Das Land ist Gastgeber für Gespräche auf höchster Ebene, die das enge Verhältnis zwischen ökologischer Verantwortung und globaler Ressourcenversorgung beleuchten. Während die Nation die UN-Artenschutzkonferenz COP17 ausrichtet, suchen armenische Regierungsvertreter parallel das Gespräch mit einflussreichen Akteuren aus Bergbau und Finanzsektor, um die drängenden Probleme der Lieferketten im Rohstoffbereich zu lösen.
COP17: Milliardenloch bei der Artenvielfalt
In der armenischen Hauptstadt Jerewan sind Regierungschefs und Umweltspezialisten zur 17. UN-Vertragsstaatenkonferenz (COP17) zusammengekommen, um den Stand der Umsetzung des Kunming-Montreal-Abkommens zur Biodiversität von 2022 zu prüfen. Die Atmosphäre auf dem Gipfel ist angespannt: Ein UN-Berichtsentwurf legt nahe, dass die Staatengemeinschaft derzeit 22 der 23 vereinbarten Biodiversitätsziele verfehlt.
Zwar liegt der Fortschritt bei der Absicht, bis 2030 dreißig Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, mit 27,5 Prozent in der Nähe des Sollwerts. Der allgemeine Zustand der Ökosysteme verschlechtert sich jedoch weiter – verursacht durch strukturelle Probleme wie überhöhten Pestizideinsatz, nicht nachhaltige Fischerei und staatliche Zuschüsse für umweltschädliche Aktivitäten. Die Konferenz betrachtet den Biodiversitätsverlust nicht allein als ökologische Krise, sondern als ernste wirtschaftliche und haushaltspolitische Gefahr. Eva Zabey, Geschäftsführerin von Business for Nature, erklärte, es gehe im Kern um "Resilienz und Ressourcensicherheit", was die globale Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität betreffe.
Ein Hauptkonfliktpunkt in Jerewan ist die Kapitalbeschaffung. Die Verhandler bemühen sich, die Finanzierungslücke zu schließen – insbesondere im Hinblick auf das Ziel von 30 Milliarden US-Dollar jährlicher öffentlicher Mittel und das ehrgeizigere Vorhaben, bis 2030 jährlich 200 Milliarden Dollar zu mobilisieren. Darüber hinaus wird eine Umgestaltung von 500 Milliarden Dollar jährlicher staatlicher Subventionen gefordert, die Abholzung und chemieintensive Landwirtschaft begünstigen. Conservation International beziffert die Folgekosten dieser Fördergelder – darunter Instandsetzung der Infrastruktur und Beseitigung von Umweltschäden – auf jährlich 11 bis 24,7 Billionen Dollar für die öffentlichen Haushalte. Als Gegenmaßnahme erwägt der Gipfel den 2025 ins Leben gerufenen "Cali Fund", der Zahlungen von Unternehmen sicherstellen soll, die digitale Biodatenbanken kommerziell nutzen.
Resourcing Tomorrow: Wege zu stabilen Rohstoff-Lieferketten
Parallel zu den Umweltverhandlungen rüstet sich der internationale Bergbausektor für die Initiative "Resourcing Tomorrow", die praktische Hindernisse bei der Mineralienversorgung in den Blick nimmt. Die Organisation feierte kürzlich ihre Kooperation mit der London Stock Exchange (LSE) durch die Eröffnung des Börsenhandels und unterstrich die Rolle der LSE als "Knowledge Partner" für den bevorstehenden Government Roundtable. Wegen laufender Renovierungsarbeiten an der LSE findet der diesjährige Roundtable am 30. November 2026 im Canada House statt.
Der runde Tisch versammelt 120 hochrangige Vertreter aus über 60 Regierungen, darunter den armenischen Minister Davit Khudatyan. Weitere zugesagte Teilnehmer kommen aus Saudi-Arabien, Nigeria, Oman, Ontario und Südafrika. Die Diskussionen sollen die Kluft zwischen politischen Vorgaben und praktischer Projektumsetzung überbrücken und sich darauf konzentrieren, wie Investitionen den Übergang von Bergbauprojekten zur Produktionsphase beschleunigen können. Dieser Austausch mündet in die Hauptkonferenz "Resourcing Tomorrow", die vom 1. bis 3. Dezember 2026 im Business Design Centre in London unter dem Motto "Beyond the Echo Chamber: Turning Talk Into Action" stattfindet.
Rohstoffpolitik und Artenschutz: Zwei Seiten einer Medaille
Obwohl sich die beiden Veranstaltungen mit unterschiedlichen Branchen befassen – hier der Naturschutz, dort die Rohstoffförderung –, eint sie ein zentrales Thema: die Notwendigkeit grundlegender politischer Reformen zur Sicherung langfristiger globaler Stabilität. Sowohl der Biodiversitätsgipfel als auch der Bergbau-Roundtable zeigen einen wachsenden Konsens, dass die gegenwärtigen staatlichen Anreizsysteme und Investitionsrahmen nicht ausreichen, um den Anforderungen des kommenden Jahrzehnts gerecht zu werden.
In beiden Bereichen zeichnet sich eine deutliche Hinwendung zur Beteiligung des Privatsektors ab. Im Biodiversitätsbereich fordern über 130 Großunternehmen, darunter Nestlé und H&M, klarere staatliche Vorgaben, um nachhaltige Investitionen zu erleichtern. Im Bergbausektor steht die Frage im Mittelpunkt, wie Finanzinstitute und Regierungen gemeinsam Projekte absichern und die für moderne Industriestrategie notwendigen kritischen Mineralien sichern können.
Spannungsfelder und Perspektiven
Trotz der gemeinsamen Ausrichtung auf politische Maßnahmen agieren die beiden Sphären unter unterschiedlichem Druck. Die Biodiversitätskonferenz wird vom Bestreben angetrieben, die Folgekosten der Umweltzerstörung zu begrenzen, mit dem Schwerpunkt auf der Umleitung massiver staatlicher Subventionen. Der Bergbausektor hingegen steht unter dem Zwang, die Förderung zu steigern, um die weltweite Nachfrage nach kritischen Mineralien zu decken – jenen Rohstoffen, die für genau die Technologien unverzichtbar sind, die die grüne Transformation vorantreiben sollen.
Während Armenien die COP17-Verhandlungen ausrichtet, bleibt die internationale Staatengemeinschaft in Bezug auf Tempo und Umfang dieser Reformen uneins. Mit der klimafokussierten COP31, die am 9. November in Antalya in der Türkei beginnt, werden die Ergebnisse der Jerewaner Treffen voraussichtlich den Ton für den Rest der diesjährigen Umweltagenda vorgeben. Derweil deutet der Fokus des Bergbausektors auf "Turning Talk Into Action" im Dezember auf einen pragmatischen, industriegeführten Ansatz für die Herausforderungen der Ressourcensicherheit hin, die die Weltwirtschaft 2027 prägen werden.
