OPEC+ kürzt Ölproduktion - Preise steigen
Verbraucher müssen mit steigenden Spritpreisen rechnen - Ölstaaten setzen auf höhere Einnahmen

Die Produktionskürzungen der OPEC+-Staaten sorgen für einen drastischen Anstieg des Ölpreises auf dem internationalen Markt. Die Preise legen kräftig zu, da das Angebot verknappt wird. Acht Förderstaaten der OPEC+ haben angekündigt, ihre Ölproduktion ab Mai zu senken und bis zum Jahresende auf dem niedrigeren Niveau zu halten. Die Kürzungen der Fördermenge werden insbesondere durch Saudi-Arabien mit täglich 500.000 Barrel pro Tag und Irak mit einem Rückgang um 211.000 Barrel pro Tag getragen. Russland, als Mitglied der OPEC+, zieht bei der Förderkürzung ebenfalls mit. Die Fördermenge der OPEC+-Staaten wird ab Juli um insgesamt 1,66 Millionen Barrel pro Tag gesenkt.
Die Produzenten sind besorgt um die Preise, da Öl im Vergleich zum vergangenen Sommer für Industriestaaten deutlich günstiger geworden ist. Die Entscheidung, die Förderung zu reduzieren, soll die Preise auf einem bestimmten Niveau halten. Die Konjunkturentwicklung bereitet jedoch Sorgen, da die Folgen des Kriegs in der Ukraine, starke Zinserhöhungen wichtiger Notenbanken und die Furcht vor einer neuen Bankenkrise Rezessionsängste schüren. Eine wirtschaftliche Abschwächung würde die Nachfrage nach Rohöl dämpfen und damit die Ölpreise sinken lassen.
Die Ankündigung der OPEC+-Staaten hat zu einem Höhenflug der Ölpreise auf dem Weltmarkt geführt. Der gestrige Preissprung von bis zu rund acht Prozent war der stärkste seit etwa einem Jahr. Marktbeobachter sind überrascht und sehen die Entscheidung der Länder der OPEC+ als ein Risiko für die Ölstaaten. Je höher die Preise für Sprit und Heizöl steigen, desto attraktiver werden Alternativen wie E-Autos und Wärmepumpen. Die Förderpolitik der OPEC+ zielt auf höhere Preise auf dem Weltmarkt ab und damit auf höhere Kosten für die Verbraucher in den westlichen Industriestaaten.
Die Drosselung der Fördermenge und ein damit verbundener Anstieg der Ölpreise erschweren den Kampf der Notenbanken gegen die Inflation. Seit Monaten erhöhen wichtige Zentralbanken wie die EZB oder die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Der amerikanische Notenbanker James Bullard hatte eingeräumt, dass die Drosselung der Fördermenge die Arbeit der Fed nicht erleichtere. Ob sich die OPEC+-Entscheidung dauerhaft auf die Verbraucherpreise auswirkt, ist jedoch noch offen. Bei den künftigen Zinsentscheidungen der Währungshüter dürften Kosten für Energie zunehmend in den Hintergrund treten, da mittlerweile Preise für Dienstleistungen und Nahrungsmittel einen stärkeren Anteil an der Entwicklung der allgemeinen Teuerung haben.
