Märkte trotzen Hormus-Krise: Öl steigt, Aktien geben nach
Eskalierende US-Iran-Spannungen und Blockade der Straße von Hormus belasten Märkte – doch Anleger bleiben erstaunlich widerstandsfähig.

Die Finanzmärkte zeigten sich am Montag gespalten: Während die Ölpreise kräftig anzogen, gaben die wichtigsten US-Aktienindizes nach. Auslöser war die erneute Eskalation der Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie die Sperrung der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Die vergleichsweise moderaten Marktbewegungen deuten jedoch darauf hin, dass Anleger weiterhin auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen und positive Ergebnisse hoffen.
Besonders auffällig: Brent-Rohöl verteuerte sich um 5,6 Prozent, WTI sogar um 6,9 Prozent. Beide Ölsorten liegen damit aber weiterhin deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Edelmetalle gaben dagegen um rund ein Prozent nach.
Aktienmärkte: Wall Street unter Druck, Europa schwächer
An der Wall Street beendete der Nasdaq eine bemerkenswerte 13-tägige Gewinnserie. Auch die anderen großen US-Indizes schlossen im Minus. Eine Ausnahme bildete der Russell 2000, der um 0,5 Prozent zulegte und dabei ein neues Allzeithoch markierte. Im S&P 500 legten sechs Sektoren zu, während fünf nachgaben. Aktien von Entwicklern psychedelischer Medikamente erholten sich spürbar.
In Asien präsentierten sich die Märkte freundlicher: Die wichtigsten Indizes notierten rund 0,5 Prozent im Plus. Europa hingegen zeigte sich schwächer, mit den Hauptindizes rund ein Prozent im Minus. Apple verlor im nachbörslichen Handel zunächst 1,5 Prozent, nachdem Berichte über den Rücktritt von CEO Tim Cook die Runde machten – die Aktie konnte die meisten Verluste jedoch wieder wettmachen.
Am Devisenmarkt gab der US-Dollar leicht nach. Unter den G10-Währungen zählten der kanadische Dollar (CAD) und die norwegische Krone (NOK) zu den größten Gewinnern. Bei den Schwellenländerwährungen gehörten die indische Rupie (INR) und der südafrikanische Rand (ZAR) zu den größten Verlierern.
Anleihen: Japanische Renditen auf Drei-Wochen-Tief
Am Anleihemarkt sanken die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs), wobei die 30-jährigen Papiere den niedrigsten Stand seit drei Wochen erreichten. Die Rendite 10-jähriger britischer Gilts stieg dagegen um sieben Basispunkte. US-Renditen am kurzen Ende legten um zwei Basispunkte zu. Hintergrund ist auch die Erwartung, dass die Bank of Japan eine Zinserhöhung im April wahrscheinlich aufschieben wird.
Die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der Märkte gegenüber dem Konflikt und seinen Folgen wird von Beobachtern besonders hervorgehoben. Hätte man zu Beginn des Krieges prognostiziert, dass dieser mindestens acht Wochen dauern würde, der Ölpreis aber unter 100 US-Dollar bliebe, der S&P 500 und der Nasdaq Rekordhochs erreichen würden, der Volatilitätsindex VIX unter 20 notieren würde und die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen bei 4,25 Prozent läge – kaum jemand hätte das für realistisch gehalten. Genau dort stehen die Märkte jedoch aktuell.
Fed-Nachfolge: Warsh vor schwieriger Anhörung
Ein weiteres zentrales Thema für die Märkte ist die Zukunft der US-Notenbank Federal Reserve. Kevin Warsh, ehemaliges Mitglied des Fed-Gouverneursrats und von Präsident Donald Trump als Nachfolger von Jerome Powell nominiert, stellt sich am Dienstag seiner Bestätigungsanhörung im US-Senat. Warsh soll den Gesetzgebern mitteilen, er sei „verpflichtet sicherzustellen, dass die Durchführung der Geldpolitik strikt unabhängig bleibt".
Präsident Trump hat jedoch wiederholt klargestellt, dass er niedrigere Zinssätze wünscht und steht der Idee der Fed-Unabhängigkeit skeptisch gegenüber. Warsh wird sich daher schwierigen Fragen stellen müssen, wie er die Zentralbank führen und jeglichem Druck aus dem Weißen Haus widerstehen will. Die Frage der Zentralbankunabhängigkeit bleibt damit ein zentrales Risiko für die Finanzmärkte.
