LNG-Produktion in Plaquemines startet bald
Verzögerungen und Konflikte prägen die Inbetriebnahme der neuen Anlage

Venture Global LNG wird voraussichtlich in Kürze mit der Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) in seiner neuen Exportanlage in Plaquemines, Louisiana, beginnen. Die Anlage wird damit die erste neue LNG-Produktionsstätte in den USA seit zwei Jahren sein. Laut Daten von LSEG könnte die Produktion bereits in den nächsten Tagen anlaufen. Die Anlage, deren Jahreskapazität 20 Millionen Tonnen beträgt, soll in der ersten Phase bis 2026 und in der zweiten Phase bis 2027 in Betrieb genommen werden. Während der zweijährigen Inbetriebnahmephase behält das Unternehmen sämtliche Einnahmen aus den Lieferungen.
Am Donnerstag erhielt Venture Global von US-Regulierungsbehörden die Genehmigung zur Inbetriebnahme des sechsten von insgesamt 18 Blöcken der Anlage. Jeder Block besteht aus zwei Produktionslinien und benötigt täglich etwa 150 Millionen Kubikfuß Erdgas. Laut Unternehmensdokumenten ist geplant, die Anlage mit 15 % über ihrer Nennkapazität zu betreiben, um die Einnahmen zu steigern. Die umfangreiche Inbetriebnahmephase ist ein zentraler Bestandteil der Finanzierungsstrategie von Venture Global.
Die Verzögerungen bei der Lieferung von LNG an langfristige Vertragspartner könnten jedoch zu erheblichen Konflikten führen. Einige Kunden müssen möglicherweise bis zu zwei Jahre auf ihre Lieferungen warten. Ähnliche Verzögerungen an der Calcasieu-Pass-Anlage des Unternehmens führten bereits zu Schiedsverfahren mit mehreren großen Unternehmen wie BP, Shell, Edison, Repsol und Orlen. Laut Unternehmensunterlagen könnten diese Streitigkeiten Venture Global im Falle eines ungünstigen Ausgangs Milliarden von Dollar kosten.
Das Unternehmen verteidigte seine Geschäftsstrategie, bei der der Verkauf von LNG auf dem Spotmarkt in der Inbetriebnahmephase im Vordergrund steht. Venture Global argumentiert, dass die Anlage während der Inbetriebnahme nicht optimal arbeitet und daher nicht an die vertraglichen Lieferpflichten gebunden sei. Diese Strategie habe es ermöglicht, zusätzliche Gewinne zu erzielen, die bis Ende 2023 rund 8,4 Milliarden US-Dollar betrugen. Das Unternehmen betonte zudem, dass alle relevanten Stakeholder über die Vorgehensweise informiert seien.
Trotz der erzielten Gewinne war die Anlage in Plaquemines mit Mehrkosten von über 2,3 Milliarden US-Dollar verbunden, um den Zeitplan einzuhalten. Seit Juni 2023 hat Venture Global jedoch keine neuen Kundenverträge abgeschlossen, was unter anderem auf die laufenden Schiedsverfahren zurückzuführen ist. Shell äußerte sich kritisch und bezeichnete Venture Global als „unzuverlässigen Lieferanten“. Das Unternehmen wies diese Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als unbegründet.
