Kolumbien drängt Glencore zu Gesprächen über Cerrejón-Minenabschluss
Bogotá fordert den Bergbauriesen Glencore auf, mit lokalen Behörden über die Schließung der weltgrößten Kohletagebaumine zu verhandeln.

Die kolumbianische Regierung hat den Schweizer Bergbaukonzern Glencore offiziell aufgefordert, Gespräche über die Schließung der Kohlemine Cerrejón aufzunehmen. Das Ministerium für Bergbau und Energie gab dies am Freitag in einer Erklärung bekannt. Glencore soll sich dabei mit den Behörden der nördlichen Provinz La Guajira sowie mit Gemeindevertretern an einen Tisch setzen.
Cerrejón gilt als eine der größten Kohleminen im Tagebau weltweit. Der Bergbaukomplex umfasst ein weitläufiges Abbaugebiet, eine 150 Kilometer lange Eisenbahnlinie sowie einen eigenen Hafen an der kolumbianischen Karibikküste. Glencore betreibt die Mine im Rahmen einer Konzession, deren Lizenz im Jahr 2034 ausläuft.
Minister Palma: Kein Warten bis zum Konzessionsende
Bergbauminister Edwin Palma machte deutlich, dass die Regierung nicht bis zum Ablauf der Konzession zuwarten will. „Wir müssen nicht warten, bis die verbleibenden Jahre der Konzession abgelaufen sind", erklärte Palma in seiner Stellungnahme. Er rief ausdrücklich zu frühzeitigen Gesprächen über eine geordnete Schließung auf.
Die geplanten Verhandlungen sollen laut Palma mehrere Themen umfassen: Investitionen in Energie, die Umschulung und Weiterentwicklung von Arbeitskräften sowie neue Unternehmungen mit Schwerpunkt auf sauberer Energie. Damit soll der wirtschaftliche Übergang für die betroffene Region La Guajira sozialverträglich gestaltet werden. Glencore und die Betreiber der Mine Cerrejón reagierten zunächst nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme.
Produktion 2025 bereits deutlich gesunken
Die Produktionszahlen der Mine zeigen bereits einen klaren Abwärtstrend. Cerrejón schloss das Jahr 2025 mit einer Kohleförderung von 16,8 Millionen Tonnen ab – ein Rückgang von 12,5 Prozent gegenüber den 19,2 Millionen Tonnen, die für 2024 gemeldet wurden. Dieser Rückgang unterstreicht den zunehmenden Druck auf den Betrieb.
Der politische Kontext ist bedeutsam: Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat die Unterzeichnung neuer Explorationsverträge für Kohlenwasserstoffe und Mineralien wie Kohle grundsätzlich untersagt. Ziel ist es, den Übergang zu sauberer und erneuerbarer Energie voranzutreiben. Petros vierjährige Amtszeit endet im August dieses Jahres.
Politischer Druck auf Glencore wächst
Bereits im Juli des vergangenen Jahres hatte Präsident Petro angekündigt, den Konzessionsvertrag mit Glencore einseitig ändern zu wollen, sollte das Unternehmen weiterhin Kohle aus Cerrejón nach Israel exportieren. Glencore erklärte daraufhin, der Aufforderung des Präsidenten nachgekommen zu sein.
Für deutsche Anleger ist Glencore als an der Londoner Börse notierter Rohstoffgigant von Bedeutung. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Produzenten und Händlern von Kohle, Kupfer und weiteren Rohstoffen. Die Entwicklungen rund um Cerrejón könnten langfristig Auswirkungen auf die Kohleförderkapazitäten und die Energiewende-Strategie des Konzerns haben.
