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KI-Rechenzentren: US-Kongress will Energiekosten auf Betreiber abwälzen

Der „Ratepayer Protection Act“ soll KI-Rechenzentren ab 100 Megawatt verpflichten, ihre Infrastrukturkosten selbst zu tragen. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus gilt als wahrscheinlich, Umweltverbände kritisieren das Gesetz jedoch als zu schwach.

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KI-Rechenzentren: US-Kongress will Energiekosten auf Betreiber abwälzen

Das US-Repräsentantenhaus wird voraussichtlich noch am Dienstag über den „Ratepayer Protection Act“ abstimmen. Das parteiübergreifende Vorhaben zielt darauf ab, die durch den KI-Boom verursachten Mehrkosten bei der Energieversorgung einzudämmen. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der der Protest gegen neue Rechenzentren zu einem wichtigen Thema im Vorfeld der Midterm-Wahlen 2026 geworden ist.

Die Republikaner setzen darauf, ihre hauchdünnen Mehrheiten in beiden Kongresskammern zu behaupten. Der Gesetzesentwurf würde Richtlinien schaffen, die staatliche Regulierungsbehörden übernehmen könnten. KI-Rechenzentren ab einer Leistung von 100 Megawatt müssten demnach die Kosten für den Bau neuer Kraftwerke, Stromtrassen und weiterer Infrastruktur eigenständig tragen – statt diese auf die Stromkunden umzulegen.

Hintergrund und politische Dynamik

„Das Prinzip beruht auf gesundem Menschenverstand: Wer die zusätzliche Nachfrage erzeugt, sollte auch für die Kosten aufkommen, die zu deren Deckung anfallen“, erklärte Initiator Rep. Gabe Evans, ein republikanischer Abgeordneter aus Colorado, in einem Gastbeitrag im Washington Reporter. Evans kämpft bei den diesjährigen Wahlen in einem der heiß umkämpftesten Wahlbezirke des Repräsentantenhauses um seinen Sitz.

Er legte die Gesetzesinitiative im Juni gemeinsam mit der demokratischen Abgeordneten Kathy Castor aus Florida vor, die ebenfalls vor einer schwierigen Wiederwahl steht. Der Cook Political Report bewertet beide Rennen als „toss up“ (völlig offen).

Erwartet wird, dass Sprecher Mike Johnson den Entwurf nach einem Verfahren namens „Aussetzung der Geschäftsordnung“ zur Abstimmung bringt. Diese Methode dient dazu, weniger kontroverse Gesetze zügig zu verabschieden, benötigt jedoch eine Zweidrittelmehrheit. Analysten rechnen mit breiter, überparteilicher Zustimmung, da Abgeordnete beider Lager den Bürgern zeigen wollen, dass sie gegen die Ausbreitung von Rechenzentren vorgehen.

Kritik von Umweltverbänden

Umweltorganisationen haben jedoch deutliche Einwände erhoben. Die League of Conservation Voters (LCV) hält die Maßnahme für unzureichend. „Mit lediglich einer schwachen Empfehlung an die Bundesstaaten, freiwillig Kostenschutzmaßnahmen gegen die Energiekosten von Rechenzentren zu prüfen, könnten die staatlichen Aufsichtsbehörden diesen Gesetzesentwurf am Ende schlicht ignorieren“, kritisierte Sara Chieffo, Senior Vice President für Regierungsangelegenheiten bei LCV.

Noch schärfer äußerte sich Mitch Jones, Managing Director für Politik und Rechtsstreitigkeiten bei Food & Water Watch. Seiner Ansicht nach könnte die Gesetzgebung den Bau neuer Rechenzentren sogar beschleunigen und „fragwürdige Möglichkeiten schaffen, mit denen Unternehmen behaupten können, für ihren eigenen Strom zu zahlen.“ Jones rief den Kongress auf, den Entwurf abzulehnen und stattdessen einen vollständigen Stopp für neue KI-Rechenzentren zu verhängen.

Gemischte Signale aus dem Kongress

Der Fraktionschef der Minderheit im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, unterstützt den Entwurf zwar, bezeichnete ihn jedoch lediglich als „einen Schritt nach vorn“. Er betonte: „Es muss noch deutlich mehr getan werden.“ Jeffries forderte die Republikaner zudem auf, das Repräsentantenhaus über den Donnerstag hinaus tagen zu lassen, um breitere KI-bezogene Themen zu behandeln.

Sprecher Mike Johnson zeigte sich hingegen zurückhaltend gegenüber weiteren regulatorischen Eingriffen. In einem CNN-Auftritt erklärte Johnson, dass Technologieunternehmen und nicht der Kongress dafür verantwortlich seien, die Sicherheit ihrer Produkte zu gewährleisten. Diese Position deckt sich mit der Linie des Weißen Hauses. Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council, sagte gegenüber CNBC, der Privatsektor sei durchaus in der Lage, die Risiken der rasanten KI-Entwicklung zu managen.

Ausblick

Der „Ratepayer Protection Act“ würde Teile der „Ratepayer Protection Pledge“ des Weißen Hauses in Gesetzesform gießen, die Präsident Donald Trump im März veröffentlichte. Während die Verabschiedung im Repräsentantenhaus als wahrscheinlich gilt, bleibt fraglich, ob der Entwurf auch den Senat passiert. Die überparteiliche, basisdemokratische Bewegung gegen Rechenzentren hat sich landesweit formiert und erhöht zunehmend den Druck auf die gewählten Volksvertreter, strengere Vorschriften zu erlassen – ein Thema, das auch für Anleger in Energie- und Rohstoffwerte von wachsender Bedeutung ist.

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