Katar stoppt LNG: Europas leere Gasspeicher unter Druck
Drohnenangriffe auf Katars LNG-Anlage treffen Europa in einem historisch kritischen Moment für die Gasversorgung.

Drohnenangriffe des Iran auf Katars wichtigste LNG-Exportanlage haben am Wochenende die globalen Gasmärkte erschüttert. Die europäischen Erdgaspreise sprangen am Montag um über 30 Prozent im Vergleich zum Wochenschluss – ein Schock für Versorger und Industriekunden gleichermaßen. Dabei trifft der Ausfall Europa in einem besonders verwundbaren Moment: Die Gasspeicher auf dem Kontinent sind auf Mehrjahrestiefs gesunken.
Deutschland, der größte Gasverbraucher Europas, startete in den März mit Speicherständen von nur 27 Prozent der Kapazität. Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt für diesen Zeitraum seit 2023 bei 64 Prozent, wie Daten von LSEG zeigen. Noch dramatischer ist die Lage in den Niederlanden, wo die Speicher – heimat der wichtigsten europäischen Gasdrehscheibe TTF – nur rund 10 Prozent füllt sind, gegenüber einem Schnitt von 48 Prozent Anfang März.
Italien, der zweitgrößte Gasverbraucher der Region, steht mit rund 50 Prozent Füllstand vergleichsweise besser da. Dennoch liegt auch das Land unter dem historischen Durchschnitt von 60 Prozent für Anfang März. Insgesamt sind Europas Gasspeicher derzeit zu etwa 30 Prozent gefüllt – gegenüber fast 54 Prozent im Vorjahresdurchschnitt.
Globaler Dominoeffekt durch Katar-Ausfall
Obwohl Europa im Jahr 2025 laut dem Datenanbieter Kpler nur 7 Prozent seines LNG aus Katar bezog, sind die indirekten Folgen gravierend. China, der weltgrößte LNG-Importeur, deckte 29 Prozent seiner Importe aus Katar, Indien sogar rund 45 Prozent. Diese asiatischen Großabnehmer werden nun verstärkt bei anderen Anbietern einkaufen – und damit das globale LNG-Angebot für alle Käufer verknappen.
Japan und Südkorea dürften ebenfalls ihr Bestellvolumen bei alternativen Lieferanten erhöhen. Das verschärft den Wettbewerb um verfügbare Mengen erheblich – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Europa ohnehin schon unter Druck steht, seine Speicher für den nächsten Winter wieder aufzufüllen. Die Befürchtung: Panikk käufe könnten die Preise noch weiter nach oben treiben.
Europas Dilemma: Kaufen oder abwarten?
Für europäische Gasverbraucher und Speicherbetreiber stellt sich nun eine schwierige Abwägung. Wer angesichts rekordniedriger Vorräte zögert, riskiert Versorgungsengpässe – wer zu aggressiv kauft, heizt die Preisspirale weiter an. Dabei bleibt der Zeitplan für die Ausfälle in Katar völlig unklar.
Die Ausgangslage ist dabei denkbar ungünstig: Eine Kombination aus neuen Speicherregeln, hohen Preisen, mildem Winter und schwacher Wirtschaftsaktivität hatte die Betreiber dazu verleitet, die Vorräte stärker als üblich abzubauen. Die Erwartung eines globalen LNG-Überangebots – gespeist durch Rekordexporte aus den USA und Katar – hat sich über Nacht in ihr Gegenteil verkehrt.
