Jefferies erhöht Langzeit-Prognose für Uran auf 95 Dollar je Pfund
Jefferies hat die langfristige Uranpreisprognose von 70 auf 95 Dollar je Pfund angehoben, begründet mit steigenden Kosten und Ausführungsrisiken. Für Rohstoffanleger ergeben sich Chancen im Uransektor, die eine sorgfältige Titelauswahl erfordern.

Die US-Investmentbank Jefferies hat ihre Erwartungen für den langfristigen Uranpreis kräftig nach oben geschraubt. Statt wie bislang 70 Dollar je Pfund prognostizieren die Analysten nun 95 Dollar für den Nuklearbrennstoff. Als Gründe für die Anpassung nennen sie gestiegene Kosten sowie wachsende Ausführungsrisiken, die die gegenwärtigen Preisniveaus als unzureichend erscheinen ließen, um die künftig notwendige Neuversorgung zu sichern.
Der Rohstoff profitiere weiterhin von politischer Rückendeckung, erklären die Experten von Jefferies. „Uran wird weiterhin durch geopolitische Unterstützung für Investitionen und Wachstum im Atomsektor begünstigt“, schrieb Analyst Mitch Ryan in einem aktuellen Research-Bericht. Ergänzend führte er aus, dass die heutigen Anreizpreise zwar eine ausreichende Versorgung für die aktuellen Bedarfe ermöglicht hätten, etablierte Förderunternehmen sich jedoch gegen niedrigere Vertragspreise stellten.
Schwierigkeiten bei Neuprojekten
Ein wesentliches Problem sieht Jefferies bei den Projektentwicklern, die im Zeitraum 2026 bis 2035 voraussichtlich rund 20 Prozent der weltweiten Uranversorgung bereitstellen werden. Diese Firmen haben bis dato keine nennenswerten Verträge an Land gezogen. Höhere Aufwendungen, eine zunehmende Kapitalintensität und beträchtliche Umsetzungsrisiken treiben den Preis nach oben, der für den Vorlauf neuer Projekte notwendig ist.
Die Kosten pro Einheit großer Produzenten seien laut der Jefferies-Mitteilung binnen fünf Jahren um 83 bis 184 Prozent gestiegen. Diese enorme Kostenexplosion erschwere es den Minenbetreibern zunehmend, neue Förderkapazitäten wirtschaftlich zu erschließen – ein relevanter Faktor für Rohstoffanleger, die auf steigende Produktionskosten achten.
China als Motor des Wachstums
Jefferies rechnet damit, dass die primäre Uranförderung im Jahr 2033 mit 243,4 Millionen Pfund ihren Höchststand erreichen wird, ehe sie wieder rückläufig ist. Haupttreiber dieser Entwicklung ist China. Das Land werde den Analysten zufolge mit einem Anteil von 74 Prozent am globalen Zuwachs der Reaktorkapazität dominieren, da sein Bedarf mehr als doppelt so hoch sein werde wie gegenwärtig.
Parallel dazu dürfte die sekundäre Uranversorgung deutlich zurückgehen, weil sich die Dynamik bei der Anreicherung umkehrt. Als größtes Risiko für eine Marktabschwächung wurde der erneute Zugang zur russischen Anreicherung ausgemacht.
Neue Prognose als Marktsignal
„Unsere angepasste Prognose von 95 Dollar je Pfund bildet die Wirtschaftlichkeit ab, die zur Finanzierung der Ersatzversorgung notwendig ist“, schrieb Analyst Ryan. Die Investmentbank rät Anlegern zu einer ausgewogenen Strategie bei der Positionierung im Uransektor.
„Wir empfehlen eine Portfolio-Strategie, die das individuelle Ausführungsrisiko entkoppelt, zugleich aber die Hebelwirkung auf aktuelle und künftige Marktdynamiken erhält“, so Ryan. Seine Branchenpräferenzen gelten den Unternehmen Paladin und NexGen, da diese eine Mischung aus laufender Produktion und längerfristiger Entwicklungsbeteiligung böten.
Die deutliche Anhebung der Uranpreisprognose durch Jefferies untermauert das zunehmende Vertrauen in den Atomsektor, der international als zentraler Baustein der Energiewende und der Versorgungssicherheit betrachtet wird. Für Anleger in Rohstoffwerten bietet der Markt weiterhin Chancen, verlangt aber eine sorgfältige Auswahl der Investments.
