Iran-Konflikt: So reagieren Ölpreise und Finanzmärkte
US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran erschüttern die Nahostregion und treiben die globalen Energiemärkte in Alarmbereitschaft.

Die Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran versetzt die globalen Finanzmärkte in Unruhe. Besonders der Ölmarkt reagiert sensibel auf die Entwicklungen im Nahen Osten – und das aus gutem Grund: Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert die Straße von Hormus, die direkt an der iranischen Küste liegt.
Bereits vor den jüngsten Angriffen notierte der Brent-Ölpreis bei rund 73 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach den Attacken wuchsen die Marktsorgen vor einer weiteren Eskalation spürbar. Einige Ölkonzerne und Handelshäuser haben Berichten zufolge bereits den Transport von Rohöl durch die Straße von Hormus eingestellt.
Felix Schmidt von der WirtschaftsWoche ordnet die bisherige Marktreaktion als begrenzt ein – solange der Konflikt regional eingedämmt bleibt und die Meerenge offen ist. Sollte sich der Konflikt jedoch zu einem regionalen Flächenbrand ausweiten, wären die wirtschaftlichen Folgen erheblich.
Ölpreise könnten auf 100 Dollar steigen
Experten von Capital Economics rechnen bei einer begrenzten Eskalation mit einem Anstieg des Brent-Preises auf rund 80 US-Dollar – vergleichbar mit dem Höchststand während des 12-tägigen Krieges im Iran im Juni. Ein anhaltender Konflikt, der die Ölversorgung ernsthaft stört, könnte die Preise sogar auf 100 Dollar treiben und die globale Inflation um bis zu 0,7 Prozentpunkte erhöhen.
Schmidt hält eine dauerhafte Schließung der Straße von Hormus durch den Iran für unwahrscheinlich. Die USA und möglicherweise Saudi-Arabien würden sofort eingreifen, um den Ölfluss zu sichern. Eine vollständige Entwarnung sei dennoch verfrüht.
Sichere Häfen gefragt – Gold auf Rekordniveau
Die Irankrise trifft auf bereits angespannte Finanzmärkte: Der VIX-Volatilitätsindex ist in diesem Jahr um ein Drittel gestiegen. Klassische Sicherheitsinvestments profitieren: Gold notiert auf Rekordniveau und hat im bisherigen Jahresverlauf 22 Prozent zugelegt. Auch der Schweizer Franken wertet spürbar auf, was die Schweizerische Nationalbank vor neue Herausforderungen stellt.
An den Aktienmärkten werden die Reaktionen laut Analysten überschaubar bleiben, solange die globalen Lieferketten weitgehend unberührt bleiben. Ryan Lemand von Neovision Wealth Management erwartet bei anhaltenden Feindseligkeiten Kursverluste von 3 bis 5 Prozent bei Golf-Aktien in Saudi-Arabien und Katar – diese Märkte öffnen als erste und liefern erste Stimmungsindikatoren.
Bei den Währungen beobachten Analysten der CBA, dass der US-Dollar im Konfliktfall gegenüber den meisten Währungen zulegen dürfte – mit Ausnahme des japanischen Yen und des Schweizer Frankens. Der israelische Schekel fiel zu Beginn des Konflikts um 5 Prozent. Bitcoin verlor hingegen an Wert und bestätigt damit erneut, dass die Kryptowährung nicht als sicherer Hafen gilt.
Gewinner und Verlierer im Überblick
Einige Branchen profitieren von der Krise, andere geraten unter Druck:
- Europäische Rüstungskonzerne, die bereits 10 Prozent im Jahresverlauf zugelegt haben, könnten von steigender Nachfrage profitieren
- Fluggesellschaften mit Routen über den Nahen Osten stehen unter Druck, da der Luftverkehr in der Region beeinträchtigt ist
- Gold und Silber gelten als bevorzugte Anlageklassen in der Krise
- Ölkonzerne profitieren kurzfristig von steigenden Rohstoffpreisen
Das größte Risiko für eine Panikreaktion an den Märkten wäre ein Eingreifen weiterer Großmächte. Sollten Russland oder China aktiv in den Konflikt eingreifen, wären deutlich heftigere Bewegungen bei Ölpreisen und an den Aktienmärkten zu erwarten. Russland ist durch den Ukraine-Krieg zwar gebunden, hätte aber grundsätzlich ein strategisches Interesse an zusätzlicher Destabilisierung im Nahen Osten.
