Incrementum-Experte Stöferle: Goldminen-Aktien günstig, Fonds hält 40 Prozent Bargeld
Incrementum-Manager Stöferle sieht den Goldminensektor in einer günstigen Phase ("Sweet Spot") mit disziplinierten Ausgaben und steigenden Gewinnen, hält seinen Fonds aber mit knapp 40 Prozent Cash vorsichtig defensiv, um auf mögliche Marktrisiken vorbere

Ronald-Peter Stöferle, Portfoliomanager der liechtensteinischen Investmentboutique Incrementum, präsentierte beim Mining Forum Americas in Colorado Springs seine aktuelle Analyse des Goldminenuniversums. Seine Botschaft fällt zweigeteilt aus: Einerseits ortet er nach den frischen Kursverlusten des Goldpreises beachtliche Bewertungen bei Minenwerten, andererseits behält er eine ausdrücklich vorsichtige, defensive Haltung bei.
Das Vertrauen des Experten in die Bergbaubranche fußt auf einer Phase, die er als "Sweet Spot" bezeichnet. Trotz der für Edelmetalle typischen Kursschwankungen konstatiert er bei den Fördergesellschaften eine Ausgabendisziplin, die historisch betrachtet selten vorkommt. Im Rahmen der Konferenz betonte Stöferle, dass die Konzernlenker bei kostspieligen Akquisitionen und dem Anstoß neuer, kapitalhungriger Vorhaben deutliche Zurückhaltung übten.
Eine derart besonnene Kapitalverwendung verbunden mit zunehmenden Erträgen im Sektor schaffe ein immer reizvolleres Umfeld, so Stöferle. Die Branche sei heute in der Position, ein erweitertes Publikum von Investoren zu erreichen – speziell solche mit umfassenderen Anlagerichtlinien, die Gold bislang eher links liegen ließen, nun aber die Assetklasse als Element ihrer Depots überdachten. Diese potenziellen Mittelzuflüsse könnten seiner Meinung nach als Treibstoff für das weitere Wachstum des Segments wirken.
Vorsichtiges Agieren trotz vielversprechender Aussichten
Ungeachtet seiner optimistischen Einschätzung der Fundamentalkennzahlen der Bergbaukonzerne gestaltet sich Stöferles aktive Vermögensverwaltung auffallend zurückhaltend. Gegenwärtig beläuft sich der Cash-Anteil seines Fonds auf annähernd 40 Prozent des Gesamtvolumens. Diese Sicherheitsstrategie ist keine Reaktion auf die aktuellen Gegebenheiten an den Märkten, sondern folgt einem Anlageindikator, der bereits zu Jahresbeginn auf defensiv geschaltet hatte.
Dieses parallele Vorgehen – unterbewertete Titel aufspüren und parallel einen erklecklichen Bargeldpuffer vorhalten – spiegelt die Gefahren wider, die Stöferle im Konjunkturverlauf erkennt. Obwohl ihn die gegenwärtige Mäßigung im Management der Minenfirmen zuversichtlich stimmt, bleibt er realistisch, was das Verhalten von Führungskräften betrifft. "Es bedeutet nicht, dass sie es irgendwann im Zyklus nicht doch vermasseln", warnte Stöferle. Er gesteht damit ein, dass die momentane Disziplin bröckeln könnte, sobald der Markt sich konsolidiert oder die Versuchung zur Expansion zunimmt. Die hohe Cash-Reserve verleiht dem Fonds die erforderliche Flexibilität, um künftige Gelegenheiten beim Schopfe zu packen oder allfällige Korrekturen zu überstehen, falls das Kostenbewusstsein der Industrie nachlässt.
Einschätzung der Marktlage und Informationsquellen
Die Aufzeichnungen von Northern Miner und Mining.com zeichnen ein übereinstimmendes Bild hinsichtlich Stöferles zweigleisiger Herangehensweise. Beide Publikationen unterstreichen, dass der Fondsverwalter die jüngste Goldpreisschwäche als Chancenfenster für preisbewusste Anleger interpretiert. Sie gleichen sich in den wesentlichen Daten: dem Standort des Fonds in Liechtenstein, der exakten Cash-Quote von 40 Prozent und dem Mining Forum Americas als Schauplatz dieser Ausführungen.
Diskrepanzen zwischen den Artikeln lassen sich nicht ausmachen; im Gegenteil, sie komplettieren einander. Der Northern Miner richtet den Fokus stärker auf die technische Seite der aktiven Portfolioverwaltung und das Einsetzen des defensiven Indikators. Mining.com fügt zusätzliche Details zur qualitativen Beurteilung des Bergbau-Managements hinzu und vertieft damit die Frage, weshalb Stöferle einerseits vom "Sweet Spot" überzeugt ist, andererseits aber Zweifel an der dauerhaften Tragfähigkeit des derzeitigen unternehmerischen Verhaltens hegt.
Schlussfolgerung
Die Analyse von Ronald-Peter Stöferle verdeutlicht die Vielschichtigkeit von Engagements im Goldminenuniversum. Während die aktuellen Fundamentalkennziffern – wachsende Profite und maßvolle Ausgaben – ein starkes Argument für den Substanzwert liefern, gebietet die Unbeständigkeit des Marktes einen ausgewogenen Ansatz. Mit umfangreichen Cash-Reserven stellt Incrementum die Weichen, um vom möglichen Aufschwung des Sektors zu profitieren, aber gleichzeitig die Gefahren eines konjunkturellen Abschwungs abzufedern. Ob sich der "Sweet Spot" auf Dauer behaupten kann, hängt wesentlich von der Disziplin der Minenlenker ab – ausgerechnet jetzt, wo Investoren mit erweiterten Mandaten den Goldsektor immer stärker unter die Lupe nehmen.
