Homeoffice in Riad: Firmen verlängern Regelungen wegen Iran-Eskalation
Westliche und saudi-arabische Unternehmen in Riad verlängern Homeoffice-Empfehlungen angesichts wachsender Spannungen rund um das Iran-Ultimatum.

Mehrere westliche und saudi-arabische Unternehmen in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad haben ihre Empfehlungen zur Arbeit im Homeoffice in dieser Woche verlängert. Das berichten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Hintergrund ist die Sorge über eine von den USA gesetzte Frist, nach der der Iran die Straße von Hormus öffnen muss – andernfalls drohe „die Hölle".
Die Mitteilungen wurden am Montag und Dienstag per E-Mail oder Textnachricht von den Unternehmen einzeln verschickt. Betroffen sind Mitarbeiter im King Abdullah Financial District, im Faisaliah Tower, im Business Gate sowie im Laysen Valley in Riad. An diesen Standorten befinden sich Büros großer US-Banken und Technologieunternehmen wie <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Apple, aber auch saudi-arabische Institutionen einschließlich des Staatsfonds.
Den Mitarbeitern war erstmals Anfang der Vorwoche geraten worden, von zu Hause aus zu arbeiten. Auslöser war eine Drohung des Iran, als Reaktion auf US-israelische Angriffe und Attentate große US-Technologieunternehmen in der Region anzugreifen.
Golfstaaten fürchten Eskalation
In den Golfstaaten wächst die Sorge, dass eine Eskalation seitens der USA den Iran dazu veranlassen könnte, verstärkt kritische und zivile Infrastrukturen in der Region ins Visier zu nehmen. Die Golfstaaten tragen seit Kriegsbeginn am 28. Februar die Hauptlast der iranischen Angriffe. Saudi-Arabien war seitdem Hunderten von iranischen Drohnen- und Raketenangriffen ausgesetzt, gibt jedoch an, die überwiegende Mehrheit davon abgefangen zu haben.
Das Land ist bislang weniger stark betroffen als andere Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait. Dennoch meldete Saudi-Arabien am Dienstag, es habe sieben ballistische Raketen abgefangen und zerstört, die auf die Ostprovinz abgefeuert worden waren. Trümmerteile gingen dabei in der Nähe von Energieanlagen nieder.
Angriff auf Industriestadt Dschubail gemeldet
Die halboffizielle iranische Nachrichtenagentur Fars meldete zudem, ein petrochemischer Komplex in der saudi-arabischen Industriestadt Dschubail sei angegriffen worden. Dschubail ist eines der wichtigsten Industriezentren Saudi-Arabiens und beherbergt zahlreiche Energie- und Chemieanlagen.
Das Medienbüro der saudi-arabischen Regierung reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Die Lage in der Golfregion bleibt damit angespannt, während Unternehmen und ihre Mitarbeiter auf die weitere Entwicklung reagieren und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.
Für deutsche Anleger und Unternehmen mit Interessen in der Region ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung: Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und für einen erheblichen Teil des globalen Ölhandels unverzichtbar. Eine weitere Eskalation könnte erhebliche Auswirkungen auf die Energiemärkte und die internationale Wirtschaft haben.
