Europäische Börsen vor schwachem Start – Ölpreise steigen deutlich
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten und gesenkte deutsche Wachstumsprognosen belasten die europäischen Aktienmärkte zum Handelsstart.

Die europäischen Aktienmärkte dürften am Donnerstag mit deutlichen Verlusten in den Handel starten. Laut Daten von IG wird der britische FTSE 100 zur Eröffnung rund 0,7% tiefer erwartet. Der deutsche DAX steht vor einem Minus von 1,3%, der französische CAC 40 dürfte 0,77% nachgeben und der italienische FTSE MIB rund 0,9% verlieren.
Gleichzeitig steigen die Ölpreise spürbar an. Die internationale Referenzsorte Brent Crude legte bis zum frühen Donnerstagmorgen um knapp 1,3% auf 103,19 US-Dollar pro Barrel zu. Auslöser waren Medienberichte, wonach die USA mindestens drei iranische Öltanker in asiatischen Gewässern abgefangen haben. Diese Meldungen verstärken die Unsicherheit über eine mögliche Ausweitung des Nahostkonflikts erheblich.
Nahostkonflikt und Straße von Hormus im Fokus
Bereits am Mittwoch konnten die europäischen Börsen nicht von den Gewinnen ihrer US-amerikanischen Pendants profitieren und schlossen schwächer. Die Anleger wogen dabei eine mögliche Verlängerung des Waffenstillstands im Iran-Krieg gegen die anhaltende Blockade der Straße von Hormus ab – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel.
Die Sperrung dieser strategisch bedeutsamen Meerenge trifft Europa besonders hart, da sie die Energieversorgung und damit die Kosten für Haushalte und Unternehmen direkt beeinflusst. Das Bundeswirtschaftsministerium nannte den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus ausdrücklich als Gründe für die jüngsten Herabstufungen der deutschen Wirtschaftsprognosen.
Deutschland halbiert Wachstumsprognose für 2026
Die Stimmung an den Märkten wurde zusätzlich durch eine drastische Revision der deutschen Konjunkturaussichten belastet. Die Bundesregierung halbierte ihre Wachstumsprognose für die größte Volkswirtschaft Europas: Für 2026 wird nun nur noch ein BIP-Wachstum von 0,5% erwartet. Auch der Ausblick für 2027 wurde von 1,3% auf 0,9% gesenkt.
Neben dem schwachen Wachstum prognostizieren offizielle Stellen einen Anstieg der Inflation auf 2,7% im laufenden Jahr und auf 2,8% im Jahr 2027. Steigende Kosten für Haushalte und Unternehmen werden dabei als wesentliche Belastungsfaktoren genannt. Diese Kombination aus schwachem Wachstum und erhöhter Inflation – auch als Stagflationsrisiko bekannt – dürfte Anleger weiter verunsichern.
Asiatische Märkte drehen ins Minus
Auch im asiatisch-pazifischen Raum trübte sich die Stimmung im Laufe des Handelstages ein. Zunächst hatten die Aktienmärkte in Japan und Südkorea noch Rekordhöhen erreicht, bevor die Berichte über die abgefangenen iranischen Tanker die Märkte ins Minus drückten. Die S&P 500 Futures zeigten sich am Mittwochabend kaum verändert.
Zahlreiche Quartalsergebnisse und Konjunkturdaten erwartet
Der Donnerstag verspricht ein ereignisreicher Tag für Unternehmenszahlen in Europa zu werden. Folgende Unternehmen legen ihre Ergebnisse vor:
- Roche
- Nestlé
- SAP
- Sanofi
- Vinci
- LSEG
- Orange
- Nokia
- Heineken
- STMicroelectronics
- Dassault Systèmes
- Renault
Darüber hinaus stehen wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm. Veröffentlicht werden die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone und im Vereinigten Königreich. Zudem werden die Neuzulassungen von Personenkraftwagen in der EU bekanntgegeben – ein wichtiger Indikator für die Konsumstimmung in Europa.
