Eisenerz-Streit mit China belastet australische Minenaktien schwer
Ein eskalierender Preisstreit zwischen der chinesischen CMRG und den australischen Minenriesen Rio Tinto sowie BHP hat die Aktienkurse massiv einbrechen lassen und den gesamten Sektor in Mitleidenschaft gezogen.

Die Papiere der australischen Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Group gerieten am Donnerstag stark unter Verkaufsdruck und zogen den gesamten ASX 200 Index in die Tiefe. Der Leitindex gab um 1,4 Prozent nach, wobei die schwergewichtigen Rohstoffwerte die Verluste anführten.
Rio Tinto verzeichnete einen Kursrückgang von 3,2 Prozent auf 173,52 Australische Dollar, während BHP um 3,0 Prozent auf 62,66 A$ fiel. Auslöser der Verunsicherung an den Märkten ist ein zunehmend angespannter Vertragskonflikt mit der China Mineral Resources Group (CMRG), die für über die Hälfte der jährlichen chinesischen Eisenerzeinfuhren verantwortlich zeichnet.
Preisstreit verschärft sich
Die CMRG hat chinesischen Stahlproduzenten die Anweisung erteilt, die Kaufverhandlungen für das Vorzeigeprodukt von Rio Tinto – den sogenannten „Pilbara Blend“ – vorerst zu stoppen. Hintergrund ist das Scheitern einer Einigung zur Preisgestaltung. Diese Entwicklung kommt für Marktbeobachter überraschend, da Rio Tinto aufgrund der engen Verbindungen zum chinesischen Staatsunternehmen Chinalco – einem Großaktionär und Partner beim Simandou-Projekt in Guinea – bislang als relativ immun gegen den Druck der CMRG galt.
Anleger überprüfen nun, inwieweit diese Partnerschaft tatsächlich Schutz bietet. Dies verstärkte den Ausverkauf bei Rio Tinto zusätzlich.
Auch BHP unter Druck
Bei BHP nehmen indes die Befürchtungen vor regulatorischen Maßnahmen aus Peking zu. Zwar konnte das Unternehmen erst kürzlich einen einjährigen Liefervertrag mit der CMRG abschließen, doch befürchten Marktteilnehmer, dass auch BHP zunehmend in den Fokus der chinesischen Behörden geraten könnte. Der gesamte australische Bergbausektor reagierte mit Kursabschlägen auf die angespannte Situation. Auch Werte wie Fortescue und South32 mussten Abgaben hinnehmen.
Schwacher Eisenerzmarkt verstärkt den Druck
Die Stimmung wird zudem durch die schwache Gesamtlage am Eisenerzmarkt belastet. Der Rohstoff, der für Rio Tinto die bedeutendste Ertragsquelle darstellt, bewegt sich derzeit in einer engen Spanne unterhalb von 100 US-Dollar pro Tonne. Ursache ist eine rückläufige Stahlproduktion in China, die den Druck auf die Minenkonzerne weiter ansteigen lässt.
Für Rohstoffanleger in Deutschland ist diese Entwicklung von großer Bedeutung, da Rio Tinto und BHP auch an der Frankfurter Börse notiert sind. Die australischen Bergbauriesen gelten als wichtiger Indikator für die globale Rohstoffnachfrage und damit auch für die konjunkturelle Lage in China, dem bedeutendsten Handelspartner Deutschlands.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich der Konflikt zwischen der CMRG und den australischen Bergbaukonzernen weiter zuspitzt oder ob eine Lösung gefunden werden kann. Analysten rechnen mit anhaltender Volatilität in der Branche, solange keine eindeutigen Signale aus Peking eintreffen.
