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Dreifachschock: Drohen Ölpreise die Aktienrally zu beenden?

FTSE 100 nahe Allzeithoch, doch geopolitische Spannungen rund um Öl und Inflation bedrohen die Marktstabilität.

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Dreifachschock: Drohen Ölpreise die Aktienrally zu beenden?

Die Aktienmärkte notieren nahe ihrer Rekordhochs, doch Analyst Edmond Jackson von Interactive Investor warnt: Das Rezessionsrisiko ist nie weit entfernt. Drei geopolitische und makroökonomische Schocks könnten die laufende Aktienrally empfindlich stören. Wer die jüngsten Kursgewinne genießt, sollte das zentrale Makrorisiko nicht aus den Augen verlieren.

Besonders auffällig war zuletzt das Phänomen überfüllter Short-Positionen in zyklischen Aktien und Turnaround-Kandidaten. So schnellte etwa die Personalberatungsgruppe Hays (LSE: HAS) nach einem Handels-Update, das den Pessimismus der Leerverkäufer widerlegte, um bis zu 100 Prozent nach oben. Solche Short-Squeeze-Ereignisse könnten Wendepunkte markieren – doch sie ändern nichts an den fundamentalen Makrorisiken, die Short-Positionen in diesen Sektoren überhaupt erst attraktiv gemacht hatten.

Ölpreis-Schock: Straße von Hormus im Fokus

Lange schien ein 60-tägiger Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA auf eine dauerhafte Einigung hinzudeuten. Doch wiederaufgenommene Feindseligkeiten erschweren nun eine Lösung. Der Iran ist angesichts bevorstehender US-Zwischenwahlen besser für einen Abnutzungskrieg positioniert – zudem haben die USA ihre Bestände an hochwertiger Munition abgebaut.

Entscheidend ist die strategische Lage des Iran: Mit der Kontrolle über die Straße von Hormus kann Teheran weite Teile der entwickelten Welt von Energie und anderen lebenswichtigen Rohstoffen abschneiden. Rund vier Millionen Barrel Öl pro Tag fehlen bereits auf dem Weltmarkt – das entspricht einer Kürzung des weltweiten Angebots um rund 15 Prozent. Für Verbraucher und Unternehmen in Europa hätte eine weitere Eskalation spürbare Folgen.

Brent-Rohöl war von 118 US-Dollar am 29. April auf bis zu 72 US-Dollar am 1. Juli gefallen – gestützt durch eine weltweite Freigabe von über 400 Millionen Barrel aus Notfallreserven. Dieser Rückgang bereitete den Boden für die Erholung an den Aktienmärkten. Aktuell notiert Brent bei rund 80 US-Dollar pro Barrel – weit entfernt von den Prognosen mancher Experten, die im Frühjahr noch einen Anstieg auf 150 US-Dollar bis Juni vorhergesagt hatten.

Huthi-Blockade bedroht saudische Ölexporte

Saudi-Arabien hatte im März auf die Schließung der Straße von Hormus reagiert, indem es Öl an die Ostküste des Landes umleitete. Ein Hafen am Roten Meer wickelt seitdem über 70 Prozent der saudischen Rohölexporte ab – eine wichtige Lebensader für asiatische Abnehmer wie China, den größten Käufer von saudischem Öl.

Doch am 20. Juli kündigten die Huthi-Rebellen eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an und übernahmen die Verantwortung für einen Angriff auf einen saudischen Tanker. Riad reagierte am 30. Juli mit der Ankündigung einer neuen multinationalen maritimen Verteidigungskoalition. Der Anführer der Huthis drohte daraufhin mit einer „vollständigen Eskalation" – ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die globalen Energiemärkte.

Inflation und Verbrauchervertrauen im Blick

Auf der positiven Seite: Die britische Inflation sank im Juni auf 2,6 Prozent, nach 2,8 Prozent im Mai – der niedrigste Stand seit März 2025. Die Kraftstoffpreise an den Tankstellen konsolidierten sich oder fielen sogar leicht, was das Verbrauchervertrauen stützte. Viele Haushalte schienen bereit, das Risiko variabler Energietarife einzugehen, wenn ihr Festpreisvertrag auslief.

Für deutsche Anleger ist die Lage vergleichbar: Auch hierzulande hängt die Konjunkturentwicklung stark von stabilen Energiepreisen ab. Eine erneute Eskalation im Nahen Osten oder am Roten Meer könnte die Inflation wieder anheizen und die Zinssenkungspläne der Notenbanken durchkreuzen. Jackson mahnt daher zur Vorsicht: Die Aktienparty läuft – doch das Risikoszenario für Energie und Inflation ist real und sollte nicht ignoriert werden.

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