Deutschlands Rohstoffdilemma
Abhängigkeit von Importen steigt auf beachtliches Maß

Deutschland steht vor dem selbst gewählten Schicksal der so genannten "Energiewende". Man will Windräder, Solaranlagen und Elektroautos – um jeden Preis. Vom Sinn für Klima und Umwelt einmal abgesehen, sind metallische Rohstoffe für diesen Wandel unerlässlich. Diese werden größtenteils importiert, was eine gewisse Abhängigkeit mit sich bringt.
Für die Windenergieanlagen in Niedersachsen, dem Bundesland mit den meisten Anlagen, werden nicht nur Zement, Stahl und Aluminium benötigt, sondern auch Seltene Erden. Diese 17 Metalle sind für die Effizienz von Elektromotoren und Generatoren in Windturbinen entscheidend. Deutschland bezieht 89 Prozent der Seltenen Erden aus China, was eine starke Abhängigkeit in Energie- und Außenpolitik bedeutet.
Noch deutlicher wird diese Abhängigkeit im Bereich der Sonnenenergie. Für die Herstellung von Solarzellen werden Gallium, Germanium und Indium benötigt, die fast ausschließlich aus China stammen. Diese Abhängigkeit wurde bereits spürbar, als China im Handelskrieg mit den USA den Export dieser Rohstoffe vorübergehend einstellte, was auch die deutsche Solarindustrie traf.
Ein weiteres kritisches Element ist Palladium, das vor allem in Notebooks, Smartphones, Stromspeichern und E-Autos verwendet wird. Deutschland importiert einen Großteil des Palladiums aus Russland, was eine weitere Abhängigkeit darstellt. Auch Vanadium, das in der Stahlindustrie und für E-Autos verwendet wird, ist für die Energiewende von Bedeutung. Der Großteil des Weltmarktes für Vanadium entfällt auf China, Russland und Südafrika.
Ein weiterer wichtiger Rohstoff ist Kobalt, das für Lithium-Ionen-Batterien in E-Autos entscheidend ist. Deutschland importiert Kobalt hauptsächlich aus der Demokratischen Republik Kongo, wo große Bergbauunternehmen tätig sind. Allerdings befindet sich ein Drittel des kongolesischen Bergbaus in den Händen von kleinen Unternehmen, die sich nicht an internationale Standards halten.
Experten fordern eine verantwortungsvolle Politik bei der Rohstoffbeschaffung für "grünen" Strom. Zum einen sollte der heimische Rohstoff-Abbau gefördert werden. In Schweden wurden große Vorkommen an Seltenen Erden entdeckt, und im Oberrheingraben könnten große Mengen an Lithium gefördert werden. Zum anderen ist Recycling eine wichtige Option, da mineralische Rohstoffe für Erneuerbare Energien größtenteils recycelbar sind. Doch bislang ist das Recycling aufgrund des niedrigen Weltmarktpreises für Rohstoffe nicht rentabel. Diese Situation zeigt, wie wichtig eine nachhaltige und strategische Planung in der Rohstoffbeschaffung für die Energiewende ist.
