China im Goldrausch
Wachsende Unsicherheit treibt Bürger zu Edelmetallinvestitionen

Die chinesische Öffentlichkeit wendet sich in einem beispiellosen Maße dem Goldkauf zu. Während die Wall Street und Regierungsbürokraten eine optimistische Geschichte über die Wirtschaftslage erzählen, hinterfragen Edelmetallanleger diese Darstellung zunehmend kritisch. Die jüngste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das vierte Quartal, die ein Wachstum von 3,3% ausweist, übertraf zwar die Erwartungen, doch wird erwartet, dass dieses Wachstum im ersten Quartal des Jahres nachlassen wird. Die saisonbedingten Anstiege bei Lagerbeständen und Exporten, die zu diesem Wachstum beitrugen, gelten als nicht nachhaltig.
Trotz der vorherrschenden Bullenstimmung und der von den Mainstream-Finanzmedien gepriesenen "Goldlöckchen"-Wirtschaft, die sich auf gesunkene offizielle Inflationsraten stützt, haben die Anleger Edelmetalle weitgehend ignoriert. Dies führte zu einer nachlassenden Nachfrage und damit zu sinkenden Aufschlägen auf Bullion, was wiederum zur Preisschwäche bei Edelmetallen im Jahr 2024 beitrug. Dennoch hat Gold, das zu Beginn des Jahres nahe seinen Allzeithochs war, die Unterstützung bei der Marke von 2.000 Dollar gehalten.
Während Gold und andere Edelmetalle in den USA derzeit weitgehend übersehen werden, erleben sie in China einen regelrechten Boom. Der chinesische Aktienmarkt und die Währung haben stark an Wert verloren, während die Goldpreise in Relation zum chinesischen Yuan Rekordhöhen erreicht haben. China ist mittlerweile der weltweit größte Einzelhandelskäufer von Gold. Die Nachfrage nach Goldbullion und -schmuck durch chinesische Haushalte ist stark gestiegen, um ihr Vermögen zu schützen. Laut der China Gold Association stiegen die Schmuckkäufe im vergangenen Jahr um 8%, die Nachfrage nach Goldmünzen sogar um fast 16%.
Die People's Bank of China (PBOC) hat ihre Goldreserven um beeindruckende 225 Tonnen erhöht und Maßnahmen ergriffen, die es Bankkunden erleichtern, Bargeld in Gold umzutauschen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass chinesische Beamte Gold als geopolitisches Instrument ansehen, insbesondere angesichts der zunehmenden Spannungen mit den Vereinigten Staaten. Der US-Dollar verliert derweil stetig an Marktanteilen in Bezug auf die weltweiten Währungsreserven der Zentralbanken, während Gold an Bedeutung gewinnt.
Die rücksichtslose Fiskal- und Geldpolitik der USA untergräbt das weltweite Vertrauen in den Dollar, was die Rating-Agenturen Standard and Poor's und Fitch dazu veranlasst hat, die US-Schulden herabzustufen. Viele Anleger, die derzeit noch auf die Stabilität der US-Wirtschaft, des Aktienmarkts, des Bankensystems und der Währung vertrauen, könnten sich in Zukunft wünschen, ebenfalls in Gold investiert zu haben, sollte sich das optimistische Szenario nicht bewahrheiten.
