Sheinbaum-Regierung: Bankenaufsicht unter Druck, Pemex setzt auf heimische Raffinerien
Mexiko treibt unter Sheinbaum parallel die Verschärfung der Geldwäscheaufsicht und die Energie-Souveränität voran: Während US-Sanktionen drei Institute trafen, steigert Pemex die heimische Raffinerieleistung um 15 Prozent und senkt die Importabhängigkeit

Für Rohstoffanleger dürfte Mexiko auch Anfang Oktober 2026 ein interessanter Beobachtungsposten bleiben. Die Administration von Präsidentin Claudia Sheinbaum bewegt sich dabei in einem Spannungsfeld: Einerseits wächst der internationale Druck auf den Finanzsektor, andererseits verfolgt die Regierung einen klaren Kurs hin zu mehr energetischer Eigenständigkeit. Fachleute sprechen von einem Zwei-Säulen-Modell: verschärfte Kontrolle des Bankenwesens gegen illegale Geldströme sowie ein konsequenter Umbau des Staatskonzerns Pemex mit dem Schwerpunkt auf inländischer Treibstofferzeugung.
Geldwäschebekämpfung unter verschärfter US-Beobachtung
Auf massiven Druck aus Washington und der Financial Action Task Force (FATF) hin hat Mexiko sein Regelwerk gegen Geldwäsche (AML) nachgeschärft. Der Kongress verabschiedete erweiterte Vorschriften, die umfangreichere Sorgfaltspflichten sowie mehr Offenlegung bei den Besitzverhältnissen von Firmen vorsehen. Darüber hinaus berief Präsidentin Sheinbaum eine neue Führungsspitze für den nationalen Finanzermittlungsdienst, der verdächtige Transaktionen künftig frühzeitiger identifizieren und melden soll.
Die Maßnahmen reagieren auf jahrelange Vorwürfe internationaler Organisationen, dass in Mexiko viel zu wenige Geldwäschefälle zu Verurteilungen führen. Die USA setzen den Finanzsektor zunehmend als Werkzeug ein, um den Drogenkartellen die finanziellen Grundlagen zu entziehen – allen voran im Geschäft mit Fentanyl.
Im Juni 2026 eskalierte die Lage: Das US-Finanzministerium stufte mit CIBanco, Intercam Banco und dem Broker Vector Casa de Bolsa gleich drei namhafte mexikanische Geldhäuser als Sicherheitsrisiko ein und setzte sie auf die Sanktionsliste. Der Vorwurf lautete auf Beihilfe zur Kartellgeldwäsche. Für die Institute bedeutete die Listung faktisch den Ausschluss vom US-Finanzmarkt, was eine akute Liquiditätskrise auslöste. Die mexikanische Aufsicht musste eingreifen, übernahm die Geschäfte und versteigerte die Vermögenswerte. Die betroffenen Firmen weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Trotz der Gesetzesnovellen zweifeln Marktbeobachter weiterhin daran, ob die neuen Instrumente internationalen Anforderungen gerecht werden und die verzweigten Finanznetzwerke des organisierten Verbrechens tatsächlich nachhaltig treffen.
Energieunabhängigkeit: Der Umbau von Pemex
Parallel dazu treibt die Sheinbaum-Regierung ihr Programm zur „Energie-Souveränität“ voran, das Mexiko von teuren Treibstoffimporten aus dem Ausland unabhängiger machen soll. Die August-Zahlen von Petróleos Mexicanos (Pemex) 2026 zeigen den Kurswechsel deutlich: Die Rohölexporte fielen binnen Jahresfrist um 45 Prozent auf 275.737 Fass täglich, während der Staatskonzern seine Kapazitäten verstärkt in die heimische Verarbeitung lenkte.
Die Neuausrichtung zeigt bereits Wirkung. Gegenüber August 2025 steigerte Pemex das Verarbeitungsvolumen in den sechs Raffinerien um 15 Prozent auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Maßgeblich dafür ist die Olmeca-Raffinerie, die inzwischen zu rund 75 Prozent ausgelastet ist und täglich 252.471 Barrel durchsetzt. Die höhere Inlandsveredelung drückte die Einfuhrabhängigkeit spürbar: Die Benzinimporte gingen um 24 Prozent zurück, bei Diesel waren es 26 Prozent weniger. Zudem vermeldete das Unternehmen einen Rückgang der Schwerölproduktion um 30 Prozent – ein Indiz für die Verlagerung hin zu margenträchtigeren Endprodukten.
Ganz ohne Reibungsverluste lief die Umstellung allerdings nicht ab. Die Gesamtfördermenge von Rohöl und Kondensat verringerte sich von Juli auf August um 2,2 Prozent auf 1,64 Millionen Barrel pro Tag. Das ist bemerkenswert, denn die internationalen Energiepreise gaben in diesem Zeitraum keinen Anlass für eine Drosselung. Vielmehr zeigt sich: Die operative Umstellung auf die heimische Veredelung hat derzeit Vorrang vor maximalen Fördermengen.
Bewertung: Zwei Wege, ein gemeinsamer Nenner
Auf den ersten Blick haben Finanz- und Energiesektor wenig gemein – doch beide stehen im Zentrum von Sheinbaums Agenda. Die Sanktionen gegen die Geldhäuser sind dabei eine Reaktion auf äußeren Druck, um den Zugang zum globalen Finanzsystem zu sichern und die Partner im Ausland zufriedenzustellen. Die Energie-Souveränität dagegen ist ein bewusst gewählter, langfristiger Pfad, der Mexiko gegen Preisschwankungen an den internationalen Märkten widerstandsfähiger machen soll.
Beide Vorhaben sind nicht ohne Risiken. Bei der Geldwäschebekämpfung bleibt die Umsetzung die große Unbekannte – und falls die Verurteilungsquoten nicht steigen, droht weiterer Ärger mit Washington. Die Energiestrategie wiederum steht und fällt mit dem Betriebserfolg der Olmeca-Raffinerie und der Fähigkeit von Pemex, die Effizienz der Anlagen zu sichern, ohne die Gesamtproduktion zu gefährden. Ob Mexiko den Spagat zwischen internationalen Auflagen und dem innenpolitischen Anspruch auf wirtschaftliche Eigenständigkeit meistert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
