Öl steigt den dritten Tag in Folge: Warum Iran plötzlich wieder alles entscheidet
Trump-Iran-Drohungen treiben Öl auf ein Viermonatshoch – so reagiert der Markt

Öl bekommt wieder eine geopolitische Risikoprämie – und der Markt handelt sie, als könne aus Drohkulissen schnell Realität werden.
Brent stieg bis 02:16 GMT um 50 Cent (+0,73%) auf 68,90 Dollar je Barrel, WTI legte um 58 Cent (+0,92%) auf 63,79 Dollar zu. Der Preisanstieg läuft damit den dritten Tag in Folge. Seit dem 26. Januar geht es in Summe um rund 5% nach oben – der höchste Stand seit dem 29. September.
Iran als Zündschnur – und Washington dreht die Schrauben an
Der Treiber ist nicht Raffinerietechnik, sondern Politik. Die Sorge wächst, die USA könnten Iran militärisch angreifen – mit potenziellen Folgen für die Ölversorgung aus dem Nahen Osten. Präsident Donald Trump erhöht den Druck auf Teheran, damit Iran sein Atomprogramm beendet, und droht mit Militärschlägen. Parallel ist eine US-Marinegruppe in der Region eingetroffen.
Brisant: Reuters berichtet unter Berufung auf US-Quellen, Trump prüfe Optionen, iranische Sicherheitskräfte und Führungspersonal anzugreifen – mit dem Ziel, Proteste zu befördern, die einen Sturz des Regimes auslösen könnten. Iran ist der viertgrößte OPEC-Produzent und fördert 3,2 Millionen Barrel pro Tag. Genau deshalb reagiert der Ölpreis so empfindlich: Fällt dieser Baustein aus, wackelt das Angebot.
Citi setzt den Aufschlag für das Iran-Risiko auf 3 bis 4 Dollar je Barrel an. Bei weiterer Eskalation sieht die Bank Brent bei bis zu 72 Dollar. Die entscheidende Frage lautet: Bleibt es bei Drohungen – oder wird aus dem Risiko ein echter Ausfall?
US-Bestände rutschen ab – die Fundamentaldaten ziehen mit
Zusätzlich schiebt eine Zahl von der Nachfrageseite: Die US-Rohöllagerbestände sanken in der Woche bis zum 23. Januar um 2,3 Millionen Barrel auf 423,8 Millionen Barrel, wie die EIA mitteilte. In einer Reuters-Umfrage hatten Analysten mit einem Plus von 1,8 Millionen Barrel gerechnet. Das ist ein Fingerzeig: Kurzfristig wirkt der Markt enger, als viele erwartet hatten – gestützt durch stabile Raffinerienachfrage und weniger frei verfügbare Mengen, wie Analyst Linh Tran (XS.com) einordnet.
Citi erwartet, dass Öl vorerst erhöht bleibt: geopolitische Risiken, US-Beschränkungen bei russischen Ölkäufen und anhaltende chinesische Käufe halten die Preise oben – obwohl viele Marktteilnehmer das Jahr zunächst mit der Erwartung eines deutlichen Überangebots gestartet hatten. Entscheidend wird sein, ob diese Risikoprämie trägt – oder ob sie ebenso schnell verdampft, wie sie gerade aufgebaut wird.
