Gold korrigiert nach Dreimonatshoch – Rohstoffanleger fokussieren US-Inflationsdaten
Gold fiel nach Dreimonatshoch leicht zurück, während Rohstoffanleger auf die US-Inflationsdaten und die Rede von Fed-Chef Warsh als nächste Impulsgeber warten. Der Debasement-Trade und charttechnische Signale deuten auf weiteres Aufwärtspotenzial.

Die Goldnotierungen sind am Dienstag moderat zurückgegangen, nachdem sie zuvor den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten erklommen hatten. Marktteilnehmer realisierten Gewinne und richten ihr Augenmerk nun auf die anstehenden US-Inflationszahlen sowie die Rede von Notenbankchef Kevin Warsh, um Rückschlüsse auf den weiteren Leitzinspfad zu ziehen.
Um 01:00 Uhr ET (05:00 Uhr GMT) verbilligte sich XAU/USD um 0,3 Prozent auf 4.688,96 Dollar je Feinunze. Die Gold-Futures kletterten dagegen um 1,0 Prozent auf 4.746,09 Dollar. Silber (XAG/USD) gewann 0,8 Prozent auf 69,51 Dollar hinzu, während Platin (XPT/USD) um 0,5 Prozent auf 1.889,32 Dollar zulegte. Der US-Dollar-Index verharrte mit 98,98 nahezu auf Vortagesniveau.
Ungeachtet der leichten Tagesverluste notiert Gold weiterhin klar im Plus. Die Aufwärtsbewegung hatte am Dienstag auf ein Mehr als Dreimonatshoch ausgeweitet werden können. Der jüngste Preisanstieg folgte auf die deutlichen Gewinne der Vorwoche, nachdem das US-Finanzministerium angekündigt hatte, die Rückkäufe von langlaufenden Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln.
Wiederbelebung des „Debasement-Trades“
Durch das Eingreifen des Finanzministeriums sanken die Renditen von Staatsanleihen, und der Dollar gab nach, was Gold für internationale Abnehmer preiswerter machte. Gleichzeitig wurden die Bedenken der Investoren hinsichtlich der Haushaltslage der US-Regierung erneut geschürt. Es stellt sich die Frage, ob Maßnahmen zur direkten Senkung der Kreditkosten das Vertrauen in die US-Währung untergraben könnten.
US-Finanzminister Scott Bessent signalisierte seine Bereitschaft, die Rückkäufe von langfristigen Schuldtiteln auszuweiten. Am Montag gab er jedoch keine neuen Signale für weitergehende Schritte. Bessent erklärte zudem, die Regierung werde demnächst eine fiskalische Initiative vorlegen, die die hohen Kosten der staatlichen Kreditaufnahme adressieren soll.
Diese politische Kehrtwende hat den sogenannten „Debasement-Trade“ neu entfacht, der zum rund vierprozentigen Anstieg des Goldpreises im Jahr 2025 beigetragen hat. Vereinfacht gesagt sehen Anleger in Gold zunehmend einen Schutz gegen die Gefahr, dass expansive Fiskalpolitiken und großzügigere Finanzierungsbedingungen die Kaufkraft des Dollars langfristig aushöhlen könnten.
Inflationsdaten und Warsh-Rede als nächste Impulsgeber
Die Akteure an den Märkten blicken nun gespannt auf die bevorstehenden US-Inflationszahlen sowie auf Warshs erste Jackson-Hole-Rede als die nächsten bedeutenden Treiber für Gold. Ein nachlassender Inflationsdruck könnte die Hoffnung auf eine lockere Gangart der Fed verstärken. Eine eher restriktiv klingende Ansprache hingegen könnte die Erholung gefährden, da Gold keine laufenden Erträge abwirft.
Zusätzlich belasten geopolitische Spannungen die Märkte. Washington hat wirtschaftliche Sanktionen gegen Länder angedroht, die weiterhin Handelsbeziehungen mit dem Iran unterhalten – im Rahmen einer Strategie zur Isolierung Teherans. Parallel dazu eskalierte der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada nach dem Scheitern von Verhandlungen. Die USA verhängten Abgaben von fünf Prozent auf bestimmte kanadische Produkte und drohen mit dem gleichen Satz für kanadische Pkw, Lastkraftwagen und Autoteile ab Januar 2027.
Diese Entwicklungen stellen die Funktion von Gold als Portfoliodiversifikator auf die Probe, während Anleger mit einem Bündel aus fiskalischen Sorgen, Handelskonflikten, geopolitischen Risiken und geldpolitischer Unsicherheit ringen.
Charttechnik spricht für weiteres Aufwärtspotenzial
Tony Sycamore, Chefmarktanalyst bei IG, äußerte sich optimistisch hinsichtlich der weiteren Kursentwicklung. Die jüngste Aufwärtsbewegung lasse kaum Zweifel daran, dass Gold bei dem Tiefstand Ende Juni nahe 3.942 Dollar vermutlich einen Boden ausgebildet habe.
Sycamore erläuterte, der Rallye-Start im August habe zunächst Optimismus über einen möglichen diplomatischen Durchbruch im Nahen Osten widergespiegelt, was die Ölpreise gedrückt und den Druck auf die Notenbanken zur Zinserhöhung verringert hätte. Diese Einschätzung habe sich jedoch nicht bewahrheitet. Gold habe seinen Aufwärtstrend dennoch fortgesetzt, da die durch das Finanzministerium ausgelöste Rückkehr des Debasement-Trades einen neuen Impuls für die Rallye lieferte.
Der Analyst betonte, Gold habe sowohl den trendliniengestützten Widerstand bei rund 4.420 Dollar als auch die 200-Tage-Linie bei etwa 4.515 Dollar überwunden, was das bullische charttechnische Bild untermauere. Sycamore erwartet, dass Kursrücksetzer Käufer anziehen werden, während das Edelmetall die nächste bedeutende Widerstandszone zwischen 4.900 und 5.000 Dollar anpeilt.
