Energy Transfer oder Enterprise Products: Welcher Pipeline-Wert lohnt sich für Rohstoff-Anleger?
Energy Transfer und Enterprise Products gehören zu den führenden MLPs im US-Midstream-Sektor. Während Energy Transfer mit günstigerer Bewertung, höherer Rendite und mehr Wachstumsprojekten punktet, überzeugt Enterprise durch eine konservative Bilanz, 28 J

Wer als Anleger auf hohe Dividendenerträge und stetig wachsende Ausschüttungen setzt, findet im Midstream-Segment des Energiesektors vielversprechende Kandidaten. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Energy Transfer (ET) und Enterprise Products Partners (EPD). Beide Gesellschaften sind als Limited Partnerships (MLPs) strukturiert und betreiben umfangreiche Pipeline-Netzwerke in den USA, die verschiedenste Kohlenwasserstoffe wie Erdgas, Rohöl und Flüssiggase (NGLs) transportieren und verarbeiten. Beide Titel locken mit attraktiven Renditen und einer beständigen Erhöhung ihrer Ausschüttungen. Welcher der beiden Werte die bessere Wahl darstellt, hängt jedoch entscheidend von der persönlichen Anlagestrategie ab.
Energy Transfer: Wachstumsdynamik gepaart mit attraktiver Dividende
Energy Transfer zählt zu den größten und am breitesten aufgestellten Midstream-Anbietern Nordamerikas. Das Unternehmen betreibt rund 140.000 Meilen an Energieinfrastruktur in den gesamten Vereinigten Staaten. Die Anlagen erstrecken sich über sämtliche bedeutenden Förderregionen und sind an die großen Verbrauchermärkte angebunden. Das Management scheut Wachstumsinitiativen nicht und befindet sich aktuell in einer Phase intensiver Expansion, angetrieben durch vielversprechende Chancen im Erdgasbereich.
Das Unternehmen hat sich eine äußerst starke Position im Permian-Becken gesichert, dem ergiebigsten und kostengünstigsten Ölfördergebiet der USA. Aufgrund fehlender Pipeline-Kapazitäten herrschten in diesem Becken lange Zeit die niedrigsten Erdgaspreise des Landes. Diese Situation entspannt sich nun mit der Inbetriebnahme neuer Leitungen, darunter die Hugh-Brinson-Pipeline von Energy Transfer.
Diese erst kürzlich gestartete Pipeline zählt zu den bedeutendsten Projekten des Konzerns. Sie transportiert Erdgas aus dem Permian-Becken zu Abnehmern in Texas und darüber hinaus. Davon profitiert unter anderem der wachsende Markt für Rechenzentren im Zuge der künstlichen Intelligenz. Zudem plant das Unternehmen eine weitere Pipeline, die Erdgas in die Gegenrichtung zu den Märkten in Arizona und New Mexico leiten soll.
Insgesamt will Energy Transfer in diesem Jahr bis zu 5,9 Milliarden US-Dollar für wachstumsorientierte Investitionen (Capex) bereitstellen. Sämtliche Vorhaben sind durch langfristige Verträge abgesichert, das Unternehmen kalkuliert mit Renditen im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Gleichzeitig strebt es an, die Ausschüttungen künftig jährlich um 3 bis 5 Prozent zu erhöhen.
Da mehr als 90 Prozent des bereinigten EBITDA aus gebührenbasierten Einnahmen stammen und die Deckungsquote solide ist, gilt die Ausschüttung als gut gesichert. Zudem kann Energy Transfer dank seines weitläufigen Systems regelmäßig von Preisunterschieden an den Märkten profitieren.
Enterprise: Stabilität und Verlässlichkeit als Markenzeichen
Während Energy Transfer einen eher offensiven Kurs fährt, agiert Enterprise traditionell konservativ. Mit einer Verschuldungsquote von lediglich 3,0 liegt das Unternehmen im branchenweit niedrigen Bereich. Im vergangenen Quartal wies es eine robuste Deckungsquote von 1,9 aus. Diese vorsichtige Strategie hat es Enterprise ermöglicht, die Ausschüttungen 28 Jahre in Folge zu steigern – durch sämtliche Marktphasen und Wirtschaftskrisen hindurch.
In unsicheren Zeiten hat Enterprise stets schnell reagiert und die wachstumsorientierten Investitionen zurückgefahren. Nach der COVID-19-Pandemie senkte der Konzern diese Ausgaben im Jahr 2021 auf 1,8 Milliarden US-Dollar und 2022 auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Aufgrund der aktuell starken Projektpipeline plant das Unternehmen für dieses Jahr jedoch Investitionen von bis zu 4 Milliarden US-Dollar.
Das Jahr 2026 wird als Übergangsphase betrachtet, für 2027 erwartet Enterprise jedoch ein zweistelliges Wachstum des bereinigten EBITDA sowie des ausschüttungsfähigen Cashflows (operativer Cashflow abzüglich Wartungs-Capex). Die Bilanzqualität ist eine der großen Stärken des Unternehmens. Neben der geringen Verschuldung verfügt Enterprise über die höchste Bonitätsbewertung im Midstream-Segment sowie langfristige Schulden zu einem günstigen gewichteten Durchschnittszinssatz von 4,7 Prozent.
Enterprise erhöht seine Ausschüttungen um jährlich rund 3 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, mit der Möglichkeit weiterer Steigerungen im kommenden Jahr, sobald das DCF-Wachstum an Fahrt gewinnt.
Fazit: Welcher Wert passt besser ins Portfolio?
Ob Energy Transfer oder Enterprise die geeignetere Aktie für das eigene Depot ist, hängt letztlich vom Anlegerprofil ab. Wer eine verlässliche, risikoarme Anlage sucht, findet in Enterprise aufgrund der beeindruckenden Erfolgsbilanz die erste Wahl. Wer hingegen höheres Kurspotenzial anstrebt, sollte Energy Transfer in Betracht ziehen.
Die Aktie von Energy Transfer ist mit einem vorläufigen EV-EBITDA-Verhältnis von 8,3 günstiger bewertet als Enterprise (10,7), bietet mit 6,5 Prozent eine höhere Rendite (Enterprise: 5,8 Prozent) und verfügt über eine größere Zahl an Wachstumsprojekten. Beide Titel haben ihre Berechtigung in einem Rohstoffdepot. Welcher der beste Kauf ist, richtet sich nach den individuellen Zielen des Anlegers. Selbstverständlich können Anleger auch beide Werte halten, um von den jeweiligen Stärken zu profitieren.
