De Beers: Förderrückgang im Quartal, aber angehobene Prognose durch Gahcho-Kué-Konsolidierung
De Beers verzeichnete im dritten Quartal einen Förderrückgang von elf Prozent auf 6,8 Millionen Karat, hob aber die Jahresprognose dank der vollständigen Übernahme der kanadischen Mine Gahcho Kué auf 25 bis 28 Millionen Karat an.

Der Diamantenförderer De Beers verzeichnete im dritten Quartal (Ende 30. September) einen Rückgang der Rohdiamantenförderung um elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 6,8 Millionen Karat. Das zur Anglo-American-Gruppe gehörende Unternehmen führt dies auf planmäßige Instandhaltungsarbeiten in Orapa (Botswana) sowie eine verlangsamte Produktion in Venetia (Südafrika) im Vorfeld einer zweijährigen Förderpause zurück.
Trotz des rückläufigen Outputs hob De Beers die Jahresproduktionsprognose an – von ursprünglich 21 bis 26 Millionen Karat auf nun 25 bis 28 Millionen Karat (100-Prozent-Basis). Auslöser hierfür ist die vollständige Übernahme des kanadischen Bergwerks Gahcho Kué. Gleichzeitig senkte der Konzern seine Stückkostenprognose von rund 80 US-Dollar je Karat auf etwa 70 US-Dollar je Karat.
Im Rohdiamantenhandel zeichnete sich im dritten Quartal laut Unternehmensangaben eine Stabilisierung ab. De Beers begründet dies mit einem ausgewogeneren Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie einer verbesserten Konsumentennachfrage in den USA und Indien. Belastend wirkt sich hingegen weiterhin das Geschäft mit synthetischen Labordiamanten aus, das vor allem die Nachfrage nach minderwertigen Naturdiamanten schwächt und in preissensiblen Segmenten Druck erzeugt.
Die Details
In Botswana fiel die Fördermenge wegen der geplanten Werkserhaltung in Orapa auf 4,8 Millionen Karat. Für das vierte Quartal warnt der Konzern, dass die anstehenden Instandhaltungsmaßnahmen in Jwaneng einen deutlichen Produktionsrückgang gegenüber dem dritten Quartal bewirken werden. Namibia blieb mit 500.000 Karat stabil.
In Südafrika reduzierte sich die Produktion auf 400.000 Karat, da Venetia die Förderung und Verarbeitung vor der Betriebspause herunterfuhr. Die vorbereitenden Arbeiten für diese Pause werden bis Anfang 2027 andauern. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit keiner weiteren Karatproduktion aus diesem Standort. Kanada hingegen verzeichnete einen Anstieg auf 1,1 Millionen Karat, begründet durch die planmäßige Aufbereitung erzhaltigeren Gesteins in Gahcho Kué.
Seit dem 16. Oktober hält De Beers die Mine Gahcho Kué in Kanada vollständig, nachdem die Übernahme des 49-Prozent-Anteils von Mountain Province Diamonds am gemeinsamen Betrieb abgeschlossen wurde. Künftig weist De Beers 100 Prozent der Produktions- und Verkaufszahlen aus, bisher waren es 51 Prozent. Wie das Unternehmen betont, hat dies zwar keinen Einfluss auf das globale Angebot, führt aber zu einer Erhöhung der ausgewiesenen attributierten Fördermenge.
Beim Absatz verkaufte De Beers im dritten Quartal aus zwei Sights insgesamt 9,8 Millionen Karat Rohdiamanten (auf konsolidierter Basis: 8,7 Millionen Karat) und erzielte konsolidierte Verkaufserlöse von 731 Millionen US-Dollar. Im dritten Quartal 2025 fanden ebenfalls zwei Sights statt; damals wurden 5,7 Millionen Karat (konsolidiert: 4,6 Millionen Karat) abgesetzt, was konsolidierte Verkaufserlöse von 700 Millionen US-Dollar ergab.
In der Preisentwicklung spiegelt sich die anhaltende Marktschwäche wider: Der konsolidierte durchschnittliche realisierte Preis fiel year-to-date um 37 Prozent auf 97 US-Dollar je Karat. De Beers nennt als Ursachen einen Rückgang des durchschnittlichen Rohdiamantenpreisindex um 18 Prozent sowie die Rückkehr zu einer ausgewogeneren Verkaufsstruktur – im dritten Quartal 2025 hatte ein höherer Anteil hochwertigerer Ware den Verkauf bestimmt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Am 13.07.2026 hatte aktien.news berichtet, dass De Beers die Förderung in der Mine Venetia – Südafrikas wertvollstem Diamantenbetrieb – für zwei Jahre einstellt. Das Anglo-American-Tochterunternehmen reagierte damit auf die anhaltende Schwäche des Rohdiamantenmarktes und wollte durch Kostensenkungen sowie eine Verschlankung der Geschäftsprozesse die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Die Unterbrechung sollte die Ausgaben für die Untertage-Erweiterung von Venetia reduzieren und zeitlich verschieben, während die Infrastrukturinvestitionen erhalten blieben, die für eine schnelle Wiederaufnahme der Produktion bei einer Markterholung nötig sind.
Am 02.10.2026 hatte aktien.news vermeldet, dass Mountain Province Diamonds mit De Beers Canada, der Kreditgeberin Dunebridge Worldwide sowie den begünstigten Inhabern der senior secured Notes (Fälligkeit Dezember 2027) eine einvernehmliche Umsetzungsvereinbarung zur Restrukturierung getroffen hat. Kernpunkt: De Beers übernimmt das Diamantenbergwerk Gahcho Kué in den Nordwest-Territorien vollständig. Die Mountain-Province-Tochtergesellschaften werden von damit verbundenen Verpflichtungen und Haftungen befreit. Zudem sicherte sich De Beers Rechte, die eine künftige Beteiligung am Bergwerk ermöglichen.
Am 23.09.2026 hatte aktien.news über den Nachhaltigkeitsbericht 2025 der De Beers Group informiert, der eine Reduzierung der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen um 14 Prozent seit 2021 ausweist. Bereits am 23.07.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass Anglo American für das erste Halbjahr eine weitgehend stabile Kupferproduktion meldete und gleichzeitig vor negativen bereinigten Ergebnissen in den Sparten Diamanten und Kokskohle warnte.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger, die auf Rohstoffwerte setzen, zeigt diese Meldung eindrucksvoll, wie sich operative von buchhalterischen Effekten unterscheiden lassen. Die Anhebung der Produktionsprognose um vier bis zwei Millionen Karat resultiert aus der Konsolidierung von Gahcho Kué, nicht aus einer organisch gestiegenen Förderleistung – De Beers weist explizit darauf hin, dass das globale Angebot unverändert bleibt. Die höhere ausgewiesene Karatmenge ist somit kein Zeichen für eine reale Produktionsausweitung, sondern ein Konsolidierungseffekt. Rohstoffanleger sollten daher genau differenzieren: Übernahmen können die Bilanzkennzahlen verändern, ohne die tatsächliche Marktsituation zu beeinflussen.
