Chinas Xi signalisiert Iran vor Trump-Treffen diplomatische Kühle
Xi Jinping empfing Irans Präsidenten Pezeshkian beim SCO-Gipfel nur kurz und distanziert, um vor dem anstehenden Treffen mit Donald Trump keine zu enge Bindung an Teheran zu signalisieren – ein Drahtseilakt zwischen Energiepartnerschaft und US-Beziehungen

Chinas Staatschef Xi Jinping gewährte seinem iranischen Amtskollegen Masoud Pezeshkian beim Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) lediglich eine knappe, zurückhaltende Unterredung. Die Volksrepublik ist sichtlich darum bemüht, nicht den Anschein einer übermäßig engen Allianz mit Teheran zu erwecken. Hintergrund: In Kürze ist ein hochrangiges Gespräch mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump geplant.
Die zurückhaltende Linie aus Peking fällt in eine politisch äußerst sensible Phase. China strebt danach, sich als ausgleichende Großmacht zu inszenieren, die keine einseitigen Bündnisse eingeht. Die flüchtige Begegnung mit Pezeshkian drückt diplomatische Höflichkeit aus, jedoch keine strategische Partnerschaft.
SCO-Gipfel verurteilt Militäraktionen
Die Führungsspitzen des SCO-Bündnisses sprachen sich während der Zusammenkunft gegen die militärischen Angriffe auf den Iran aus. Zugleich bestätigten sie das Anrecht der Mitgliedsländer auf die zivile Nutzung der Kernenergie. Diese zweigleisige Botschaft verdeutlicht das Bestreben des Bündnisses, sowohl Sicherheitsfragen zu thematisieren als auch technologische Eigenständigkeit zu sichern.
Dem SCO-Bündnis gehören neben China und Iran auch Russland sowie diverse zentralasiatische Nationen an. Die Allianz profiliert sich zunehmend als Gegenpol zu westlichen Bündnissen wie der NATO. Die Zustimmung zum zivilen iranischen Atomprogramm dürfte in Washington und Brüssel für zusätzliche Verstimmungen sorgen – ein relevantes Signal für Rohstoffmärkte, die empfindlich auf geopolitische Spannungen reagieren.
Xi bereitet sich auf Trump-Gespräch vor
Für Xi Jinping steht außergewöhnlich viel auf dem Spiel. Ein Zusammentreffen mit Donald Trump verlangt eine penible diplomatische Vorbereitung. Ein allzu enges Verhältnis zu Teheran könnte Chinas Verhandlungsposition gegenüber den USA untergraben. Deshalb schlägt Peking derzeit einen betont vorsichtigen Ton gegenüber dem Iran an.
Die kurze Audienz für Pezeshkian auf dem SCO-Gipfel stellt einen Drahtseilakt dar: China zeigt sich verbunden mit einem bedeutenden Energiepartner, ohne die Beziehungen zu Washington über Gebühr zu strapazieren. Ob dieser Balanceakt gelingt, wird sich bei den bevorstehenden Gesprächen mit Trump weisen – für Anleger in Energierohstoffe ein beachtenswerter Vorgang.
Hintergrund: Pekings Engagement im Nahen Osten
Peking hat in den letzten Jahren sein diplomatisches Wirken im Nahen Osten spürbar ausgeweitet. China vermittelte 2023 überraschend ein Abkommen zwischen Saudi-Arabien und Iran. Zugleich bleibt das Land wirtschaftlich eng mit Teheran verbunden, speziell bei Öl- und Gasimporten – für rohstofforientierte Anleger ein bedeutsamer Faktor.
Die derzeitige Zurückhaltung gegenüber Präsident Pezeshkian offenbart jedoch die Schranken dieser Strategie. China möchte Partner sein, aber nicht als zu stark mit einem isolierten Regime assoziiert werden. Der SCO-Gipfel lieferte dafür die ideale Plattform: ausreichend Distanz für die westliche Wahrnehmung, genügend Nähe für die östliche Allianz.
