Schwarzmeer-Route: Frachter rüsten mit Schutznetzen gegen Drohnen auf
Im Schwarzen Meer statten Tanker und Frachter ihre Schiffe mit improvisierten Schutzvorrichtungen gegen Drohnenangriffe aus. Die Sicherheitslage bleibt angespannt, während die Weizenexporte der Ukraine im August um 58 Prozent eingebrochen sind und die Get

Die Bedrohungslage auf dem Schwarzen Meer hat sich deutlich zugespitzt. Als Reaktion auf immer häufigere Drohnenattacken installieren Eigner von Tankern und Frachtschiffen außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen. Wie Luftbilder und Lageberichte von Sicherheitsfirmen dokumentieren, werden Schiffe bei der Durchfahrt durch den Bosporus vermehrt mit provisorischen Konstruktionen wie Schutznetzen, Wasserbehältern und alten Reifen ausgestattet.
Diese als „Cope Cages“ bekannten Vorrichtungen sollen die Decksaufbauten vor Explosivdrohnen schützen. Am Heck montierte Wassertanks wiederum sollen bei einem Einschlag als Puffer für den Maschinenraum dienen. Die ergriffenen Maßnahmen verdeutlichen, wie bedrohlich die Reedereien die aktuelle Situation bewerten.
Corey Ranslem, Vorstandsvorsitzender der maritimen Sicherheitsagentur Dryad Global, äußert jedoch Zweifel am tatsächlichen Schutz dieser Maßnahmen. Gegen kleinere Drohnentypen könnten sie durchaus helfen, doch bei größeren Militärwaffen oder schnellen, ferngesteuerten Seedrohnen mit starker Sprengwirkung seien sie häufig nutzlos.
Konkrete Schäden und Gefahren
Die Gefahren sind belegt: Das russische Frachtschiff „Omskiy-107“ trieb vor kurzem mit zerstörter Kommandobrücke an die türkische Küste bei Istanbul. Auch weitere Schiffe, darunter die „Great Ocean“, sind in den vergangenen Wochen mit erheblichen Schäden und unter Geleitschutz der Küstenwache in den Bosporus eingelaufen. Diese Vorfälle unterstreichen die akute Bedrohung für die Handelsschifffahrt.
Das geopolitische Umfeld bleibt äußerst instabil. Seit Juli haben sich die Attacken auf die Exportinfrastruktur für Öl und Agrarrohstoffe massiv verstärkt. Während die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ausfuhrrouten ausgeweitet hat, setzt Russland seine Bombardements auf ukrainische Hafenanlagen wie Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj fort.
Ankara sucht diplomatischen Ausweg
Die Türkei, deren Handelsschiffe ebenfalls von Drohnenangriffen betroffen sind, drängt auf eine Verhandlungslösung. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mahnte vor einer weiteren Zuspitzung der globalen Nahrungsmittelkrise, vor allem in Afrika. Außenminister Hakan Fidan entwickelt einen Vorschlag zur Wiederherstellung geschützter Transportwege, doch Moskau verweigert bislang eine erneute Beteiligung am 2022 vereinbarten Getreideabkommen.
Die Folgen für die internationalen Agrarmärkte sind deutlich erkennbar. Die Weizen-Futures an der Chicago Board of Trade (CBOT) kletterten zuletzt auf das höchste Niveau seit Februar 2023, ehe sie durch Gewinnmitnahmen moderat nachgaben. Der Markt reagiert damit auf die erheblichen Exportstörungen aus der Schwarzmeerzone.
Ukraine-Exporte stark rückläufig
Besonders schwer getroffen wird die Ukraine: Die dortigen Weizenausfuhren fielen im August gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 58 Prozent. Russland als größter Weizenexporteur der Welt versucht unterdessen, seine Marktstellung durch die Aussetzung von Exportabgaben bis Ende 2026 zu festigen.
Trotz der militärischen Konflikte und der durch ukrainische Drohnen verursachten Treibstoffknappheit erklärte Präsident Wladimir Putin, dass Russland den Krieg weiterhin für sich entscheiden werde. Für die globalen Getreidemärkte bleibt die Situation aufgrund der anhaltenden Unsicherheit im Schwarzen Meer angespannt. Investoren und Marktteilnehmer verfolgen die Entwicklungen aufmerksam, denn weitere Preisausschläge bei Weizen und anderen Rohstoffen sind nicht auszuschließen.
