Hormus-Transit an Nahost-Frieden gekoppelt – USA setzen auf Sanktionsdruck
Der Iran knüpft die vollständige Freigabe der Straße von Hormus an ein Ende der Nahost-Kriege, während Trump eine Rückkehr zum Rahmenabkommen ablehnt und auf Sanktionsdruck setzt – die Lage für Rohstoff-Anleger bleibt angespannt.

Der Iran macht die vollständige Freigabe der Straße von Hormus für die Schifffahrt von der Beendigung der Nahost-Konflikte abhängig. Zeitgleich berichtet das Wall Street Journal, dass US-Präsident Donald Trump einer Wiederbelebung des im Juni geschlossenen Rahmenabkommens mit Teheran ablehnend gegenübersteht. Die Situation an der für den globalen Rohöltransport essenziellen Seestraße bleibt damit hoch volatil.
Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Rates für Nationale Sicherheit des Iran, erklärte gegenüber dem libanesischen Sender Al Manar TV: Jede Übereinkunft mit Washington über die Meerenge müsse zwingend die Beendigung der Kampfhandlungen im Libanon, im Gazastreifen und in Syrien einschließen. Der Krieg im Gazastreifen müsse gestoppt werden, Israel habe sich aus dem Libanon zurückzuziehen und seine Attacken auf Syrien zu unterlassen, so Rezaei weiter.
Meerenge als geopolitisches Druckmittel
Rezaei unterstrich, dass die Straße von Hormus nicht losgelöst vom übergeordneten Regionalkonflikt betrachtet werden könne. Die USA müssten „ihre Ernsthaftigkeit“ bei der Erfüllung dieser Auflagen demonstrieren, „bevor neues Vertrauen entstehen könnte“. Aktuell gestatte der Iran laut Rezaei ausschließlich einen „zeitweiligen und beschränkten“ Durchlass für Frachter, die die strategisch bedeutsame Wasserpassage queren. Die weitere Entwicklung des Schiffsverkehrs hänge vom Verlauf der Gespräche mit Washington ab.
Eine Wiederaufnahme diplomatischer Bemühungen zeichnet sich jedoch nicht ab. Das Wall Street Journal meldete am Donnerstag unter Verweis auf eingeweihte Kreise, dass Trump an dem Rahmenabkommen vom Juni kein Interesse mehr habe. Vielmehr verfolge er abwartend, ob die Sanktionsstrategie seiner Regierung zur wirtschaftlichen Schwächung Teherans greife.
Sanktionen statt Militärschlag
Die USA hatten am Montag eine Initiative namens „Economic D-Day“ gegen den Iran gestartet. Dabei werden Staaten, die Handelsbeziehungen mit der Islamischen Republik unterhalten, mit Sanktionen belegt. Der Ansatz verlagert sich somit von militärischen Interventionen hin zu ökonomischem Druck. Anfang der Woche erörterten Oman und der Iran zudem einen Plan zur Einrichtung einer vorübergehenden gemeinsamen Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus sowie einer Aktion zur Räumung von Seeminen aus dem bedeutenden Ölexportkanal.
Ein am späten Donnerstag vom US Central Command auf X veröffentlichtes Video mit Admiral Brad Cooper schrieb hingegen den US-Streitkräften die Minenbeseitigung in der Meerenge zu. Cooper gab an, die Einheiten des Centcom hätten in den zurückliegenden Monaten die Passage von rund 1.500 Handelsschiffen und 750 Millionen Barrel Rohöl ermöglicht. „Die internationalen Seewege sind heute offen, und die Dynamik nimmt zu“, so Cooper.
Schiffsaufkommen massiv eingebrochen
Die aktuellsten verfügbaren Zahlen von Kpler zeigen jedoch ein abweichendes Bild: Am Dienstag durchfuhren lediglich fünf Frachter die Straße von Hormus – ein drastischer Einbruch gegenüber den etwa 130 Schiffen, die vor Kriegsbeginn im Februar täglich diese vitale Route nutzten. Für den weltweiten Ölmarkt ist die Straße von Hormus von herausragender Relevanz: Etwa ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs wird durch diese Meerenge transportiert. Eine länger andauernde Sperrung oder Einschränkung könnte die Rohölpreise massiv steigen lassen und die Weltkonjunktur belasten.
Die nächsten Wochen werden offenbaren, ob die wirtschaftliche Druckstrategie der USA oder die regionalen Bedingungen des Iran die Oberhand gewinnen. Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht.
