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Geplante Kohlekapazitäten steigen, während neue Minen einbrechen

Ein neuer GEM-Bericht zeigt: Geplante Kohleförderkapazitäten wuchsen um 11 %, doch neue Inbetriebnahmen brachen um fast 40 % ein.

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Geplante Kohlekapazitäten steigen, während neue Minen einbrechen

Die geplanten Kohleförderkapazitäten weltweit sind im vergangenen Jahr um 11 % gestiegen – obwohl deutlich weniger neue Minen in Betrieb gingen und saubere Energien den Kohleanteil an der globalen Stromerzeugung weiter verringerten. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Global Energy Monitor (GEM) hervor. Gleichzeitig sank die Inbetriebnahme neuer Kohleminenkapazitäten um fast 40 %, womit sich ein Trend aus den Vorjahren fortsetzt.

Diese gegenläufige Entwicklung wirft grundlegende Fragen über die wirtschaftliche Zukunft des Kohlebergbaus auf. „Die wirtschaftliche Logik für den Ausbau des Kohlebergbaus wird immer schwächer, da kostengünstige saubere Energie die Kohle zunehmend verdrängt", sagte Tiffany Means, Senior Researcher bei GEM und Mitautorin des Berichts. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die Kohlenachfrage bis 2030 sinken wird – nachdem Wind- und Solarenergie im Jahr 2025 erstmals die Kohle im weltweiten Strommix überholt haben.

Dennoch halten mehrere Länder weiterhin an umfangreichen Pipelines potenzieller Minenprojekte fest. Das birgt das Risiko, dass heute genehmigte Projekte ihre Produktion in einem langfristig schwächeren Markt aufnehmen könnten – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen für Investoren und Staaten.

Indien als Haupttreiber des Kapazitätswachstums

Der mit Abstand größte Wachstumstreiber bei den geplanten Kapazitäten ist Indien. Die Pipeline an geplanten Projekten hat sich dort im vergangenen Jahr verdoppelt. Das Land strebt an, im Zeitraum 2025–26 insgesamt 1,15 Milliarden Tonnen Kohle zu fördern. Hintergrund sind die steigende Stromnachfrage während Hitzewellen, das anhaltende Wirtschaftswachstum sowie das Ziel, die Energiesicherheit zu stärken.

Diese Expansionspläne stehen in deutlichem Kontrast zur Entwicklung in China und Australien, die maßgeblich für den globalen Rückgang neu in Betrieb genommener Kapazitäten verantwortlich waren. China verzeichnete einen Rückgang seiner Kapazitätszuwächse um 44 %. Das Land baut seine Wind- und Solarstromerzeugung massiv aus und hat gleichzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der Grubensicherheit eingeführt sowie Genehmigungen für Erweiterungen verschärft.

Australien verzeichnete sogar einen Rückgang der Kapazitätszuwächse um 96 % – getrieben von schwächerer Nachfrage aus seinen wichtigsten Exportmärkten. Ein mögliches Verbot neuer Greenfield-Minen könnte die Zuwächse in den kommenden Jahren weiter begrenzen, so der GEM-Bericht.

Viele Projekte noch vor der Genehmigung

Trotz der schwächeren Nachfrage und rückläufiger Neuinbetriebnahmen halten zahlreiche Länder an erheblichen Entwicklungspipelines fest. Laut GEM befinden sich rund 70 % der vorgeschlagenen Projekte noch in der Phase vor der Genehmigung oder im Bau. Das gibt Regierungen und Investoren noch die Möglichkeit, eine weitere Kapazitätsausweitung zu verhindern.

Dorothy Mei, Projektleiterin für den Global Coal Mine Tracker bei GEM, warnt vor den Risiken: „Die Förderung weiterer Kohlebergbaukapazitäten in diesem Marktumfeld birgt das Risiko, langlebige Vermögenswerte zu schaffen, die im Laufe der Zeit zunehmend unwirtschaftlich werden können." Für Investoren bedeutet das: Projekte, die heute noch wirtschaftlich erscheinen, könnten in einem Markt mit sinkender Kohlenachfrage zu sogenannten „Stranded Assets" werden – also zu Anlagen, die vor Ende ihrer geplanten Lebensdauer abgeschrieben werden müssen.

Die Diskrepanz zwischen wachsenden Planungskapazitäten und sinkenden Neuinbetriebnahmen spiegelt die globale Energiewende wider: Während die Nachfrage strukturell abnimmt, reagieren einzelne Länder wie Indien mit kurzfristigen Versorgungszielen – ein Spannungsfeld, das den Kohlesektor noch Jahre beschäftigen dürfte.

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