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Einkaräter boomen: Warum natürliche Diamanten wieder gefragt sind

Der 1-Karat-Diamant avanciert zum neuen Statussymbol – unabhängige Juweliere und Kaufhäuser verzeichnen deutlich steigende Nachfrage.

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Einkaräter boomen: Warum natürliche Diamanten wieder gefragt sind

Der Markt für natürliche Diamanten erlebt gerade eine bemerkenswerte Verschiebung: Der 1-Karat-Diamant hat sich zum neuen Wunschobjekt für Schmuckkäufer entwickelt. Unabhängige Juweliere aus Paris, Los Angeles und London berichten übereinstimmend von stark gestiegener Nachfrage – und selbst das Londoner Luxuskaufhaus Harrods reagiert darauf mit einem erweiterten Sortiment.

Die Pariser Designerin Charlotte Chesnais hat diesen Trend früh erkannt. Nachdem ihr Ehemann ihr 2015 anlässlich der Geburt ihres ersten Kindes einen ungefassten 1-Karat-Diamanten schenkte, entwickelte sie ein tiefes Gespür für den Stein. „Er wurde zu einem Werkzeug, um Maßstäbe und Proportionen zu verstehen, und er gab mir eine Art Intuition dafür, wie ein edler Diamantring in meiner eigenen kreativen Sprache aussehen könnte", sagt Chesnais. Ein Jahrzehnt später bilden auf Bestellung gefertigte 1-Karat-Diamantringe in ihrem charakteristischen geschwungenen Stil das Herzstück ihrer neuen Kollektion.

Starke Zahlen aus der Branche

Die Nachfragedaten sind eindrucksvoll. Bei Ellis Mhairi Cameron, einer Schmuckdesignerin aus den schottischen Highlands, machten 1-Karat-Diamantringe in den vergangenen 18 Monaten fast 30 Prozent der Verkäufe von Verlobungsringen aus. „Früher war das nicht so", sagt sie. „Ich schaue in meinen Terminkalender und jeder Eintrag bezieht sich auf einen 1-Karat-Diamanten. Die Kunden fragen uns danach als Basis – als Inspiration für ihr Design."

Der in Los Angeles ansässige Juwelier Spinelli Kilcollin verzeichnete seit dem vergangenen Jahr einen Anstieg der Nachfrage nach natürlichen 1-Karat-Diamantringen um 20 Prozent. Mitbegründer Dwyer Kilcollin zeigt sich optimistisch: „Und wir glauben, dass dies erst der Anfang ist." Auch Harrods reagiert auf den Trend und führt im September ein erweitertes eigenes Angebot an Solitärringen im Echtschmuckbereich ein. „Für viele Kunden stellt der 1-Karat-Diamant heute das ideale Gleichgewicht zwischen Präsenz, Vielseitigkeit und Bedeutung dar", erklärt Beth Hannaway, Einkaufsleiterin für Echtschmuck und Uhren bei dem Kaufhaus.

Der Boom beim Schmuck fügt sich in ein breiteres Bild ein: Während der Luxusgütermarkt insgesamt unter erheblichem Druck steht, hat sich Schmuck laut den Halbjahresergebnissen von Richemont, Kering und LVMH als echter Wachstumsmotor erwiesen. Schmuck ist damit nicht mehr nur ein Ausreißer, sondern ein struktureller Treiber im Luxussegment.

Laborgezüchtete Diamanten verändern die Wahrnehmung

Ein wesentlicher Treiber des Trends ist paradoxerweise der Boom bei laborgezüchteten Diamanten. Der Markt für synthetische Steine wurde im vergangenen Jahr mit 29,5 Milliarden US-Dollar bewertet – deutlich mehr als der geschätzte Jahreswert von 20 Milliarden US-Dollar für natürlich geförderte Diamanten. Durch die günstigeren Alternativen haben sich Käufer an größere Steine gewöhnt, was die Wahrnehmung verschoben hat.

„Die Verbraucher haben sich daran gewöhnt, viel größere Diamanten zu zugänglicheren Preisen zu sehen, was zwangsläufig die Wahrnehmung verschoben hat", erklärt die Londoner Juwelierin Rachel Boston. „Infolgedessen fühlt sich ein natürlicher 1-Karat-Diamant wie der neue erstrebenswerte Einstiegspunkt an." Boston bringt nächsten Monat die Kollektion „Relic" auf den Markt – zehn anpassbare, skulpturale Herrenringe mit einem markanten weißen Diamanten im Zentrum.

Trotz der gestiegenen Materialkosten investieren Käufer natürlicher Diamanten tatsächlich mehr: Laut De Beers London stieg die durchschnittliche Ausgabe zwischen 2023 und 2025 um 25 Prozent, auch das durchschnittliche Karatgewicht pro Kauf nahm zu. Dabei sind es vor allem Millennials und die Generation Z, die den Markt antreiben – sie machen wertmäßig 78 Prozent der Nachfrage nach natürlichen Diamanten aus. Der Einfluss von Prominenten wie Zendaya, Dua Lipa, Taylor Swift oder Miley Cyrus auf Social Media spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Marktstruktur: Qualität schlägt Quantität

Nicht alle Segmente des Diamantenmarktes profitieren gleichermaßen. Minderwertige Edelsteine und Steine unter 1 Karat stehen derzeit unter Abwärtsdruck. Oberhalb der 1-Karat-Schwelle hingegen wird weiterhin erwartet, dass seltene und hochwertige Steine ihren Wert langfristig behalten. Für die wachsende Käufergruppe geht es dabei nicht allein um die Investition – es ist auch ein persönliches Statement über Werte und ästhetisches Gespür.

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