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Codelco darf Gewinne behalten: Historische Rettung für Kupfergiganten

Chile lässt Codelco erstmals alle Gewinne einbehalten – ein beispielloser Schritt zur Rettung des weltgrößten Kupferproduzenten.

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Chile hat eine historische Entscheidung für seinen staatlichen Bergbaukonzern Codelco getroffen. Die Regierung erlaubt dem weltgrößten Kupferproduzenten, seine gesamten Gewinne aus dem Jahr 2025 zu behalten. Bergbau- und Wirtschaftsminister Daniel Mas bestätigte den Schritt – ein Novum seit der Verstaatlichung der Kupferindustrie im Jahr 1971.

Codelco erzielte 2025 einen Nettogewinn von 2,4 Milliarden US-Dollar, gestützt durch hohe Kupferpreise und Erträge aus der strategischen Lithium-Partnerschaft mit dem Unternehmen SQM. Trotz dieser Gewinne lastet auf dem Konzern ein Schuldenberg von über 20 bis 25,1 Milliarden US-Dollar – angehäuft durch milliardenschwere Strukturprojekte zur Verlängerung der Lebensdauer alternder Minen.

Minister Mas begründete die Entscheidung als notwendige Maßnahme zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und zum Schutz des Kreditratings. Indem Codelco seine eigenen Gewinne reinvestieren darf, soll die Abhängigkeit von Fremdfinanzierung für kapitalintensive Sanierungsprojekte sinken. Für die Regierung von Präsident José Antonio Kast, die sonst das Ziel der Haushaltskonsolidierung verfolgt, bedeutet dies einen erheblichen Verzicht auf Steuereinnahmen. Analyst Juan Carlos Guajardo vom Beratungsunternehmen Plusmining spricht von einem notwendigen „finanziellen Atemraum", der die Stabilisierung des Konzerns ermöglichen soll.

Operative Krise und neuer Strategiekurs

Die finanzielle Unterstützung kommt zu einem Zeitpunkt erheblicher operativer Belastungen. Codelco musste einräumen, seine Produktion für 2025 um rund 27.000 Tonnen überschätzt zu haben. Die korrigierte Fördermenge von 1.307.570 Tonnen entspricht einem Rückgang von 19 Prozent gegenüber 2021 und dem niedrigsten Produktionsvolumen seit fast drei Jahrzehnten.

Unter der Führung des neuen Verwaltungsratsvorsitzenden Bernardo Fontaine, der im Mai ernannt wurde, vollzieht das Unternehmen einen strategischen Kurswechsel. Fontaine hat das bisherige Ziel, innerhalb von fünf Jahren 1,7 Millionen Tonnen jährlich zu produzieren, explizit aufgegeben. Stattdessen soll Rentabilität Vorrang vor aggressiven Mengenzielen haben. Der Sanierungsplan adressiert sinkende Erzgehalte, Projektverzögerungen sowie die Folgen eines tödlichen Unfalls in der Mine El Teniente im vergangenen Jahr, der die Produktion erheblich beeinträchtigte.

Internationale Expansion: Gespräche mit Indien

Parallel zur internen Restrukturierung führt Codelco Verhandlungen mit dem indischen Staatsunternehmen Hindustan Copper über neue Bergbauprojekte. Indien steht vor einem wachsenden Kupferdefizit: Das Land produziert lediglich 573.000 Tonnen, während die Nachfrage bei 1,8 Millionen Tonnen liegt. Regierungsprognosen zufolge könnte Indiens Abhängigkeit von importiertem Kupferkonzentrat bis 2047 auf 97 Prozent steigen.

Berichten zufolge verhandelt Hindustan Copper – möglicherweise in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Coal India und NTPC Mining – über den Erwerb von vier Kupferabbaulizenzen von Codelco. Das gewonnene Kupferkonzentrat soll großen indischen Industrieunternehmen wie Hindalco und dem Adani-Konzern zugutekommen. Adani betreibt in Gujarat die weltgrößte Kupferschmelze an einem einzigen Standort.

Die Verhandlungen sind vertraulich und befinden sich noch in der Due-Diligence-Phase. Selbst bei einem erfolgreichen Abschluss würde es Schätzungen zufolge mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis unter dieser Partnerschaft kommerzielle Kupfermengen aus Chile gefördert werden könnten. Die indische Regierung plant Berichten zufolge, Kupfer als eigenes Kapitel in die laufenden Freihandelsabkommen mit Chile aufzunehmen.

Kritischer Wendepunkt mit ungewissem Ausgang

Unter Branchenbeobachtern herrscht breiter Konsens, dass Codelco an einem kritischen Scheideweg steht. Die Entscheidung der Regierung, die Gewinne im Unternehmen zu belassen, wird weitgehend als „Rettungsleine" bewertet – doch Experten warnen vor erheblichen Risiken. Die Wirksamkeit der Kapitalspritze hängt vollständig davon ab, ob Codelco seine Projektausführung verbessern und die Kosten unter Kontrolle bringen kann.

Gelingt es dem Konzern, mit dem reinvestierten Kapital die Produktion zu stabilisieren und den Cashflow wiederherzustellen, wird die Entscheidung der Regierung als wichtige Investition in Chiles wirtschaftliche Zukunft gewertet. Scheitert die operative Erholung jedoch, warnen Analysten, dass die aktuelle Intervention lediglich eine schwerere Finanzkrise hinausschiebt. Für den weltgrößten Kupferproduzenten beginnt damit eine entscheidende Phase – mit neuer Strategie, internationalen Partnerschaften und dem Druck, liefern zu müssen.

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