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BP feuert Verwaltungsratschef Manifold wegen schwerwiegender Governance-Verstöße

Der Ölkonzern BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold nach weniger als einem Jahr abgesetzt – die Aktie brach daraufhin um 6% ein.

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BP feuert Verwaltungsratschef Manifold wegen schwerwiegender Governance-Verstöße

Der britische Ölriese BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Als Begründung nannte das Unternehmen „schwerwiegende Bedenken" im Zusammenhang mit „wichtigen Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten". Die Nachricht schickte die BP-Aktie unmittelbar um 6% in den Keller.

Die leitende unabhängige Direktorin Amanda Blanc ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit des Boards: „Das Board war überrascht und enttäuscht, von Problemen bei der Governance-Aufsicht und dem Verhalten zu erfahren, die es für inakzeptabel hält, und hat entschlossen gehandelt." Ian Tyler wurde mit sofortiger Wirkung zum Interims-Vorsitzenden ernannt, während BP gleichzeitig die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger ankündigte.

Manifold war erst im September 2025 als nicht geschäftsführendes Verwaltungsratsmitglied zu BP gestoßen und wurde bereits im darauffolgenden Monat zum Vorsitzenden ernannt. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung hatte BP betont, Manifold verfüge über „eine starke Erfolgsbilanz in der strategischen Führung und operativen Umsetzung". Damit blieb er weniger als ein Jahr im Amt.

Aktionäre hatten bereits auf der Hauptversammlung Alarm geschlagen

Die Absetzung kommt nicht völlig überraschend. Bereits auf der Hauptversammlung (AGM) im vergangenen Monat hatte fast ein Fünftel der BP-Aktionäre – rund 18% – gegen Manifolds Wahl gestimmt. Auch die einflussreichen Governance-Experten von Glass Lewis hatten eine ablehnende Empfehlung ausgesprochen. Die Kritik entzündete sich unter anderem an der Weigerung von BP, eine von Klimaaktivisten eingereichte Resolution auf der Hauptversammlung zuzulassen. Manifold hatte erklärt, die Resolution sei nicht ordnungsgemäß eingereicht worden.

Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell, kommentierte die Situation: „Nicht alle Investoren waren zufrieden – gemessen daran, wie 18% der Aktionäre auf der Hauptversammlung im April gegen seine Ernennung stimmten, ebenso wie die Empfehlungen der Governance-Experten von Glass Lewis." Mould verwies zudem darauf, dass auch Versuche, Hauptversammlungen auf ein reines Online-Format umzustellen, sowie Änderungen in der Berichterstattung über Klimafragen und damit verbundene Verpflichtungen bei Investoren schlecht angekommen seien.

Starke Quartalszahlen im Schatten der Führungskrise

Pikant ist das Timing der Absetzung: Sie erfolgt unmittelbar nachdem BP eine Verdoppelung des Gewinns gemeldet hatte. Für den Zeitraum von Januar bis März verzeichnete der Energiekonzern einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar (rund 2,4 Milliarden Britische Pfund) – getrieben von einer „außergewöhnlichen" Performance im Ölhandelsgeschäft sowie gestiegenen Ölpreisen infolge des Iran-Krieges. Es waren die ersten Ergebnisse des Unternehmens seit Ausbruch des Konflikts.

Interims-Vorsitzender Tyler versuchte, die Investoren zu beruhigen und betonte, das Board sei von der strategischen Ausrichtung des Unternehmens „zutiefst überzeugt". Er zeigte sich zudem „sehr beeindruckt" von CEO Meg O'Neill, die das Amt im vergangenen Dezember übernommen hatte. „Sie hat bereits mutige Schritte unternommen, um die Organisation zu vereinfachen und zu stärken, wie etwa die Ankündigung des Wechsels zu einem klar definierten Upstream/Downstream-Modell", so Tyler.

Eine Führungskrise reiht sich an die nächste

Für BP ist die erneute Führungskrise an der Spitze des Verwaltungsrats ein weiterer Rückschlag in einer turbulenten Phase. O'Neill übernahm den CEO-Posten von Murray Auchincloss, der seinerseits weniger als zwei Jahre im Amt war, bevor er zurücktrat. Dessen Vorgänger Bernard Looney hatte BP 2023 verlassen müssen, nachdem ihm „schwerwiegendes Fehlverhalten" vorgeworfen worden war – er hatte Beziehungen zu Kollegen nicht offengelegt. Der Konzern steht damit vor der Aufgabe, sowohl operative Stabilität als auch das Vertrauen seiner Aktionäre zurückzugewinnen.

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