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Benzinpreise auf Mehrjahreshoch: Hormuzstraße treibt Energiemärkte

Geopolitische Spannungen und Infrastrukturprobleme treiben US-Benzinpreise auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren.

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Benzinpreise auf Mehrjahreshoch: Hormuzstraße treibt Energiemärkte

Die US-amerikanischen Energiemärkte befinden sich in einem Ausnahmezustand. Die Schließung der Straße von Hormuz infolge des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Rohölpreise seit Ende Februar um über 40 Prozent in die Höhe getrieben. Gleichzeitig sorgen inländische Infrastrukturprobleme für zusätzlichen Druck auf die Versorgungsketten – mit spürbaren Folgen für Millionen amerikanischer Verbraucher.

Der nationale Durchschnittspreis für Benzin liegt derzeit bei rund 4,55 US-Dollar pro Gallone. Das entspricht einem Anstieg von etwa 45 bis 50 Prozent gegenüber dem Stand von Ende Februar. Laut GasBuddy ist der Preis in diesem Jahr zum Memorial-Day-Wochenende – einem der reiseintensivsten Feiertage in den USA – um 1,48 Dollar höher als im Vorjahreszeitraum.

Die Straße von Hormuz als zentraler Krisenherd

Die Straße von Hormuz gilt als eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch diesen maritimen Engpass werden rund 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs transportiert. Seit der Eskalation des Konflikts Ende Februar ist die Passage faktisch blockiert – mit weitreichenden Folgen für die globalen Energiemärkte.

David Goldwyn, ehemaliger Energiebeauftragter des US-Außenministeriums, warnt, dass die weltweiten Ölvorräte in einem alarmierenden Tempo schrumpfen. Die Lagerbestände sind bereits 14 Wochen in Folge gefallen und nähern sich einem Elfjahrestief. Analysten sehen noch einen Puffer von vier bis sechs Wochen, bevor die Kraftstoffpreise erneut deutlich anziehen könnten.

Obwohl die USA dank robuster Eigenproduktion und strategischer Reserven vor physischen Engpässen weitgehend geschützt sind, wirkt sich der globale Wettbewerb um amerikanische Rohöl- und Raffinerieprodukte direkt auf die heimischen Verbraucherpreise aus. Patrick De Haan, Leiter der Erdölanalyse bei GasBuddy, warnt: Sollte die Straße von Hormuz weiter blockiert bleiben, könnten die Benzinpreise im Juni die Marke von 5 Dollar pro Gallone überschreiten. Selbst bei einer Wiedereröffnung könnte sich die Marktnormalisierung bis weit ins Jahr 2027 hinziehen.

Verbraucher ändern ihr Reiseverhalten

Trotz der Rekordpreise erwartet der amerikanische Automobilclub AAA, dass rund 39,1 Millionen Amerikaner das Memorial-Day-Wochenende mit dem Auto verbringen werden – ein neuer Rekord. Doch die finanzielle Belastung hinterlässt deutliche Spuren im Reiseverhalten.

Eine Umfrage von GasBuddy zeigt: Nur noch 56 Prozent der Amerikaner planen, in diesem Sommer mehr als zwei Stunden mit dem Auto zu fahren. Im Vorjahr waren es noch 69 Prozent. Zudem gaben 36 Prozent der Befragten an, aufgrund der gestiegenen Kosten die Anzahl ihrer Reisen insgesamt zu reduzieren.

Politischer Druck und Infrastrukturprobleme

Die Regierung von Präsident Donald Trump steht unter wachsendem politischem Druck, Haushalten Entlastung zu verschaffen. Berichten zufolge werden Gespräche über eine mögliche Aussetzung der bundesweiten Benzinsteuer von 18,4 Cent pro Gallone geführt – eine Maßnahme, die einige Bundesstaaten bereits umgesetzt haben.

Zusätzlich zu den geopolitischen Verwerfungen kämpft die Branche mit lokalen Infrastrukturproblemen. In East Los Angeles kam es zu einem Rohrbruch in der Line-63-Pipeline des Unternehmens Plains All American, verursacht durch Erdarbeiten Dritter. Rund 30 Minuten lang traten etwa fünf Gallonen Öl pro Sekunde aus, bevor die Leitung abgesperrt werden konnte. Der Vorfall legte einen wichtigen Transportweg für Rohöl aus dem San-Joaquin-Tal teilweise lahm und verschärfte die ohnehin angespannte Versorgungslage für Raffinerien im Raum Los Angeles.

Kalifornien verzeichnet derzeit mit 6,131 Dollar pro Gallone die höchsten Benzinpreise im gesamten Land. Da lokale Raffinerien stark auf ausländisches Rohöl angewiesen sind, trifft jede Störung der inländischen Pipelines den Markt besonders hart.

Ausblick: Ein schwieriger Sommer

Analysten sind sich einig: Die Energiemärkte befinden sich in einem Zustand hoher Volatilität, und die Lage könnte sich vor einer Entspannung zunächst weiter verschlechtern. Neben der anhaltenden Blockade der Hormuzstraße drohen die atlantische Hurrikansaison, laufende Wartungsarbeiten in Raffinerien sowie die fortschreitende Erschöpfung globaler Lagerbestände den Druck auf die Kraftstoffpreise im Sommer hochzuhalten.

Für deutsche Beobachter ist die Entwicklung von besonderer Relevanz: Als stark in die Weltwirtschaft integriertes Land spürt auch Deutschland die Auswirkungen globaler Energiepreisschocks – sei es über Importkosten, Inflation oder die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien. Die Lage an der Straße von Hormuz bleibt damit ein zentraler Faktor für die globale Energieversorgungssicherheit.

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